Zukünftige Herausforderungen für das Berggebiet
Die Herausforderungen für die zukünftige Entwicklung des Berggebiets liegen in zwei Bereichen:
- Allgemeine Umfeldentwicklungen
- Entwicklungen in den raumrelevanten Politikbereichen. Diese Entwicklungen werden im Teil zu den politischen Rahmenbedingungen dargestellt.
Für die Beschreibung der allgemeinen Umfeldentwicklungen unterscheiden wir in Anlehnung an Porter (1998) sechs Umfeldbereiche. Diese sind in der folgenden Tabelle dargestellt. Sie enthält ebenfalls die wichtigsten Veränderungen in den Umfeldbereichen und deren Auswirkungen auf die Entwicklung des Berggebietes.
| Bereich | Zu erwartende Entwicklungen |
| Volkswirtschaftliches Umfeld |
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| Technologisches Umfeld |
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| Politisch-rechtliches Umfeld |
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| Soziokulturelles Umfeld |
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| Natürliches Umfeld |
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| Demographisches Umfeld |
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BfS Bundesamt für Statistik 2002. Szenarien zur Bevölkerungsentwicklung der Schweiz 2000-2060. Vollständiger Szenariensatz. Neuchâtel.
Perspektivstab der Bundesverwaltung 2002. Herausforderungen 2003-2007. Trendentwicklungen und mögliche Zukunftsthemen für die Bundespolitik. Schweizerische Bundeskanzlei, Bern.
Porter M.E. 1998. Competitive advantage: creating and sustaining superior performance. The Free Press, New York.
Siegrist D., Stuppäck S., Mosler H.-J., Tobias R. 2002. Naturnaher Tourismus in der Schweiz. Angebot, Nachfrage und Erfolgsfaktoren. Forschungsstelle für Freizeit, Tourismus und Landschaft, Hochschule für Technik Rapperswil, Abteilung Sozialpsychologie I Universität Zürich.
Swissfuture 2004. Wertewandel in der Schweiz 2004 – 2014 – 2024. Vier Szenarien. Swissfuture Schweizerische Vereinigung für Zukunftsforschung.
Wirtschaftsforum Graubünden, Amt für Wirtschaft und Tourismus 2004. Wirtschaftsleitbild Graubünden 2010. Leitlinien und Ansatzpunkte für eine wachstumsorientierte Wirtschaftspolitik. Chur.
Aus den Entwicklungen in diesen Umfeldbereichen ergeben sich Chancen und Risiken für das Berggebiet. Detailliert wurden diese beispielsweise im Rahmen der Arbeiten zum Wirtschaftsleitbild für den Kanton Graubünden aufgearbeitet. Die Chancen und Risiken für den Kanton Graubünden sind aber typisch für das schweizerische Berggebiet:
| Chancen | Wirkung |
| Das weltweite Wachstum des Tourismus, die zunehmende Mobilität und die bestehenden international wettbewerbsfähigen Destinationen (Top-Destinationen) | ... ermöglichen den Top-Destinationen grundsätzlich auch weiterhin ein Wachstum des Tourismus. |
| Einzelne international wettbewerbsstarke Anbieter und intakte Standortbedingungen in einzelnen Regionen | ... ermöglichen ein punktuelles Wachstum der Industrie. |
| Die wachsende Nachfrage nach Energie zur Abdeckung von kurzzeitigen Bedarfsspitzen in Europa | ... ermöglicht einen punktuellen Ausbau der Wasserkraft. |
| Risiken | Wirkung |
| Strukturelle Schwierigkeiten und eine hohe internationale Wettbewerbsintensität | ... lassen bis auf einzelne Ausnahmen eine wenig dynamische Entwicklung des Tourismus erwarten. |
| Die weitere Öffnung der Agrarmärkte und der Abbau von Marktstützungen | ... erhöhen den Anpassungsdruck in der Landwirtschaft. Dadurch ist ein weiterer Beschäftigungsrückgang in dieser Branche zu erwarten. |
| Weitere Fortschritte bei den Informations- und Kommunikationstechnologien | ... ermöglichen einen weiteren Zusammenzug von oft wertschöpfungsstarken Dienstleistungen wie Banken, Finanzen und Telekommunikation in den Wirtschaftszentren. |
| Die Liberalisierung und Privatisierung von Dienstleistungen |
... erschwert die Versorgung z.B. mit Post, Bahn und Bus von dünn besiedelten Gebieten. |
| Fehlende Wachstumsimpulse der Wirtschaft und vermehrter Druck auf die öffentlichen Haushalte | ... führen zu einer stagnierenden Bautätigkeit. |
| Die verhältnismässig geringe Anzahl spezialisierter und wertschöpfungsstarker Arbeitsplätze | ... führt zur Abwanderung der arbeitenden und gut ausgebildeten Bevölkerung. Die natürliche Überalterung der Bevölkerung wird dadurch zusätzlich verstärkt. |
Die Wirkung der Chancen und Risiken wird räumlich nicht homogen ausfallen. Um die räumliche Wirkung abschätzen zu können, unterscheiden wir in Anlehnung an die Gemeindetypologie des Bundesamtes für Statistik vier grundsätzliche Regionstypen, welche für die ganze Schweiz gelten:
- Zentrumsregionen
- Touristische Top-Destinationen
- Übrige touristische und wirtschaftlich gemischte Regionen
- Landwirtschaftlich geprägte Regionen mit punktuellen Aktivitäten der Energiewirtschaft
Für die Zentrumsregionen - aber auch für die touristischen Top-Destinationen - wird für die Zukunft eine Entwicklung im Rahmen des schweizerischen Durchschnitts erwartet. In den übrigen touristischen bzw. wirtschaftlich gemischten Regionen und in den landwirtschaftlich geprägten Regionen hingegen ist die wirtschaftliche Entwicklung bedroht. Für die zukünftige Besiedlung des Berggebiets dürften daher die regionalen Zentren eine grosse Rolle spielen. Sofern sich die Zentren positiv entwickeln, kann mit Ausstrahlungseffekten in die angrenzenden Regionen gerechnet werden. Diese Effekte schlagen sich insbesondere in verstärkten Pendlerbewegungen nieder. Dabei muss zwischen Regionen unterschieden werden, die im besten Fall durch Ausstrahlungseffekte die bestehende Bevölkerung halten können und solchen, die ein Ansiedlungspotenzial für zusätzliche Einwohner aufweisen (Wirtschaftsforum Graubünden, Amt für Wirtschaft und Tourismus Graubünden 2004).
Zusammenfassend kann festgehalten werden, dass sich die einzelnen Regionen im Berggebiet unterschiedlich entwickeln werden und dass die Wirtschaft aufgrund fehlender Impulse weiter stagnieren wird. Dies betrifft nicht nur den mengenmässig wichtigen Tourismus, sondern ist auch auf den Mangel an alternativen Wirtschaftsmotoren zurückzuführen. Kleinere periphere Gemeinden ausserhalb der touristischen Zentren und der Städte im Berggebiet sind dadurch mit abnehmenden Arbeitsplätzen, der Gefahr einer Abwanderung und letztendlich mit einer Gemeindegrösse konfrontiert, die beispielsweise für eigene Schulen und eine eigene Gemeindeverwaltung nicht mehr ausreicht (in Anlehnung an: Wirtschaftsforum Graubünden, Amt für Wirtschaft und Tourismus Graubünden 2004).


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