UNESCO Biosphäre Entlebuch Schweiz

Von Natur aus anders - die Schweizer Modellregion für nachhaltiges Leben und Wirtschaften

Projekttyp:  Projekt im Bereich Service Public | Strategie- oder Zukunftsprojekt | Projekt im Bereich öffentliche Infrastruktur und Rahmenbedingungen
Themen/Branche:  Berggebiet | Bildung | Energie | Gesundheit | Gewerbe | Landwirtschaft | Tourismus | Wald und Holz | Öff. und priv. Dienstleistungen

Projektleitung: Theo Schnider
Autor: Theo Schnider

Region: Region Luzern West
Trägerschaft: 

Gemeindeverband UNESCO Biosphäre Entlebuch




16.12.2010
Anzahl Good Practice Stimmen: 0
Anzahl Besuche: 605
Anzahl Kommentare: 0

Kurzbeschreibung

Die UNESCO Biosphäre Entlebuch wurde im September 2001 von der UNESCO als erstes Biosphärenreservat der Schweiz gemäss Sevilla-Strategie anerkannt. Die UNESCO Biosphäre Entlebuch repräsentiert im weltweiten Netz der Biosphärenreservate eine voralpine Moor- und Karstlandschaft. Mit der UNESCO Biosphäre Entlebuch soll die einzigartige, geschützte Natur- und Kulturlandschaft erhalten und gleichzeitig eine nachhaltige Regionalentwicklung realisiert werden.



Hintergründe

Die 8 Gemeinden der Region Entlebuch, Doppleschwand, Romoos, Entlebuch, Hasle, Schüpfheim, Flühli-Sörenberg, Escholzmatt sowie Marbach, sind im September 2001 von der UNESCO als erstes Biosphärenreservat der Schweiz gemäss Sevilla-Strategie anerkannt worden.  

Die Gesamtfläche umfasst 394 km², was knapp 1% der Schweizer Landesfläche entspricht. In den 8 Gemeinden leben rund 16 500 Personen. Die Wirtschaftsstruktur des Entlebuchs ist im Vergleich zur Schweiz noch sehr ländlich geprägt. 34% der Beschäftigten sind im ersten Sektor tätig, 25% im 2. und 41% im 3. Sektor. Insgesamt verfügt die Biosphäre Entlebuch über ca. 8000 Arbeitsplätze. (Datenquelle LUSTAT 2009). Kaum eine andere Region besitzt so viele Naturschätze auf engem Raum wie das Entlebuch. Die 1987 von der Schweizer Bevölkerung angenommene Moorschutz-Initiative rüttelte das Entlebuch auf. Was würden die neuen Bestimmungen zum Schutz der Moorlandschaften für die wirtschaftliche Situation unserer Gemeinden bedeuten? Rechnet man alle national geschützten Gebiete zusammen, so decken diese mehr als die Hälfte des Entlebuchs. Basierend auf den Vorgaben des «Man and the Biosphere»-Programms der UNESCO fand im Entlebuch eine neue Definition von Naturschutzprozessen statt. Die Menschen des Entlebuchs erkannten die Chance, vermeintliche Einschränkungen wie den 1987 durch die Rothenthurm-Inititative ausgedehnten Natur- und Landschaftsschutz in ihr Leben zu integrieren und zu nutzen. Sie ziehen sich nicht aus dem zu schützenden Raum zurück, sondern bringen stattdessen ihre Wünsche – den Bedürfnissen der Umwelt angepasst – in diesen ein. Nach einem beispielhaft kurzen Vorbereitungsprozess stimmten die Gemeindeversammlungen im September 2000 mit unerwarteten 94% diesem entscheidenden Schritt, der Schaffung eines UNESCO Biosphärenreservates, zu. Ein Biosphärenreservat ist das ideale Instrument, um die von unseren Vorfahren geprägte Natur- und Kulturlandschaft des Entlebuchs für kommende Generationen zu erhalten und weiter zu entwickeln. Mit der sanften Instandsetzung dieser natürlichen Ressourcen gelingt es, nebst Schutzfunktion gleichzeitig die Regionalwirtschaft zu stärken. «Schützen durch Nutzen», und dies gemeinsam mit der lokalen Bevölkerung, ist das Credo der UNESCO Biosphäre Entlebuch.

Ziele

«Erhalten», «Entwickeln» und «Partizipieren/Kooperieren» sind die Leitthemen der UNESCO Biosphäre Entlebuch. Sie legen die langfristige Ausrichtung der UNESCO Biosphäre Entlebuch fest. Damit soll die einzigartige, geschützte Natur- und Kulturlandschaft, speziell die Moorlandschaften und Karstgebiete, erhalten und gleichzeitig eine nachhaltige Regionalentwicklung realisiert werden. Die Erhöhung der Wertschöpfung gelingt durch neue anspruchsvolle Ziele, starke Kooperationen und daraus entstehende Innovationen.

 

Erhaltung und Entwicklung
Die Erhaltung der Natur- und Kulturlandschaft und die nachhaltige Nutzung von Ressourcen sind die Grundlagen für eine langfristige Entwicklung des Lebens- und Wirtschaftsraumes.

 

Partizipation
Die Mitwirkung der Bevölkerung wird durch die Delegiertenversammlung, den Verein UNESCO Biosphäre Entlebuch sowie durch die sektorspezifischen Foren und Arbeitsgruppen gewährleistet.

 

Kooperation
Die gemeinde- und branchenübergreifende Kooperation ermöglicht Innovationen und damit die Steigerung der Wertschöpfung und langfristiges Wachstum. Wachstum setzt ein ausgewogenes und bedürfnisgerechtes Geben und Nehmen voraus. Vor allem entstehen Innovationen im Zusammenspiel der Netzwerke. Die Zusammenarbeit mit anderen Destinationen und Regionen wird darum besonders gefördert.

 

Management
Für die professionelle Begleitung und Beratung, die Koordination von Forschung und Bildung, die Moderation der Entwicklungsprozesse und das regionale Marketing wurde ein Kompetenzzentrum unter der Leitung des Biosphärenmanagements aufgebaut. Die koordinierende Rolle des Managements erhöht die Dynamik in den Foren und Arbeitsgruppen.

Vorgehen

  • Erarbeitung Vorprojekt
  • Einsetzung Regionalmanagement
  • Erarbeitung Ziele
  • Vorbereitung Abstimmung
  • Strategieentwicklung
  • Umsetzung

Zeitplan

Die UNESCO Biosphäre Entlebuch ist seit 2002 in der Betriebsphase.

Evaluation und Ergebnisse

Die UNESCO Biosphäre Entlebuch hat sich auf ihre eigene Art und Weise bereits zur hohen Kunst entwickelt, was rund um die Welt noch immer im Versuchsstadium ist: ein ganzheitliches, alte Werte nutzendes und neue Werte schaffendes Denken und Handeln zum Wohl der Menschen als Teil und Partner der Natur.

 

«Nachhaltige Entwicklung setzt vielfältige und lebenslange Lernprozesse voraus.»

 

Im weltweiten Netz der Biosphärenreservate erlangte die UNESCO Biosphäre Entlebuch mit ihrer Strategie von Kooperation, Partizipation und Kommunikation Modellcharakter. Die Bewohner der voralpinen Naturregion lernten in Wertschöpfungsketten zu denken. Lokale Gruppen und Foren setzen ihre in Zukunftskonferenzen entstandenen Ideen in die Tat um. Beteiligte versuchen dabei, in einem fairen Kompromiss innovative Lösungsansätze zum Nutzen von Umwelt, Wirtschaft und Gesellschaft auszuhandeln.

Schwierigkeiten bei der Projektentwicklung

Initiierung des Veränderungsprozesses, ständige Suche nach neuen Finanzierungsquellen.

Finanzen

Die UBE ist ein Dienstleistungsbetrieb mit rund einem Dutzend Voll- und Teilzeitstellen und einem Jahresbudget von gut 2 Millionen Franken (2010). Dieser Betrag setzt sich aus den Beiträgen von Bund, Kanton, Gemeinden, Verbänden und Vereinen, Sponsoren, Stiftungen, Ertrag aus Dienstleistungen sowie Projektgeldern zusammen. Mit zusätzlichen Mandaten oder Projekten von Gemeinden, Kanton oder Bund können zusätzlich Stellen geschaffen werden. Die UNESCO selber leistet keine finanziellen Beiträge an die UNESCO Biosphäre Entlebuch.

Beurteilung der Auswirkungen

Das Entlebuch gilt heute als Schrittmacher und Vorbild der Naturpärke von nationaler Bedeutung. Täglich erscheinen im Durchschnitt drei Artikel in den Schweizer Medien (alleine aus der Deutschschweiz) über die UNESCO Biosphäre Entlebuch. Unter den über 564 Biosphärenreservaten weltweit nimmt die Region Entlebuch auch in der Produktion und Vermarktung ihrer Qualitätserzeugnisse eine Vorreiterrolle ein. Inzwischen tragen über 300 Regionalprodukte das Label «Echt Entlebuch», ein Dutzend Wirte erfüllen die strengen Anforderungen, unsere Gastropartner zu sein. Weitere Dienstleistungspartner wie Bed and Breakfast, Banken und Schulen tragen das Projekt mit. In den Foren entstehen laufend neue Projekte und Angebote.

Ökologie
Die Kern- und Pflegezonen garantieren einen langfristigen Schutz der voralpinen wilden Moor- und Karstlandschaft. Mit langfristigen Monitoringprogrammen der WSL Birmensdorf und des BAFUs wird der Erfolg der Schutzbemühungen überprüft. Die Vorkommen der seltenen Arten und der gefährdeten Ökosysteme sind derzeit stabil.  Der Moorcharakter aller Hoch- und Flachmoore ist in den letzten 10 Jahren in etwa stabil geblieben mit nur sehr geringfügigen Änderungen. Um eine optimale Besucherlenkung und ein optimales Lebensraummanagement für Wildtiere zu gewährleisten, wurde eine Arbeitsgruppe eingesetzt, die für den Schneeschuhtourismus bereits erste konkrete Lenkungsmassnahmen definiert und umgesetzt hat. Naturexkursionen sensibilisieren für Natur und Landschaft: Heute ist die UNESCO Biosphäre Entlebuch die grösste Anbieterin von Naturexkursionen der  Zentralschweiz. In allen 8 Gemeinden konnten Vernetzungsprojekte nach der Ökoqualitätsvernetzung realisiert werden, einige sind mittlerweile bereits in der zweiten 6-jährigen Projektphase angelangt.  

 

Ökonomie
In Schüpfheim ist ein Biosphärenzentrum mit 620 Stellenprozenten entstanden. Es handelt sich durchwegs um qualifizierte Arbeitsplätze, die hohe Fachkompetenz voraussetzen. Rund 35 Personen finden einen Nebenerwerb als Exkursionsleiter und Gästebetreuer. Die Teilnehmerzahlen bei den von uns organisierten Exkursionen haben sich zu Beginn jährlich verdoppelt (2006 über 4200 Personen, 2010 rund 5000 Personen). Weitere Nebenerwerbsstellen im Exkursions-, Kurs- und Rangerwesen sind vorgesehen. Stellen, die indirekt durch Absatzförderung und neue Angebote im naturnahen Tourismus geschaffen werden, sind kaum zu beziffern. Verschiedene Initiativen wie z.B. das Konzept «Gastropartner», der Biosphärenpass, die Biosphärenschule wurden bereits erfolgreich umgesetzt. Das touristische Marketing wird in der Region gebündelt und zielgruppenspezifisch eingesetzt. Breit angelegte Imagekampagnen erhöhen die Wahrnehmung im Markt. Das Angebot an Aktivitäten ist äusserst vielfältig: Wintersport jeglicher Art, Kneippen, Wandern, Naturexkursionen, Lernpfade und vieles mehr. Bereits sind drei Produkte mit dem Label «NaturPur» von Schweiz Tourismus ausgezeichnet. In den einzelnen Gemeinden entstehen laufend neue Projekte und Angebote. Verschiedene Erlebniszentren konnten erfolgreich etabliert werden. Bei verschiedenen Bauvorhaben und Initiativen in der Region wirkte das Biosphärenmanagement bei der Planung und Umsetzung aktiv mit.


Soziales
Die Identifikation der Bevölkerung mit ihrer Region ist gestiegen und das Image des Entlebuchs ausserhalb der Region führt zu einem «neuen» Stolz. Ein grosser Teil dieser Menschen macht sich Gedanken, wie das Projekt Biosphärenreservat Entlebuch konkretisiert werden könnte. Innovative Ideen werden dem Regionalmanagement täglich zugetragen oder in den Foren erarbeitet. Nachhaltigkeit kann nicht von oben verordnet werden. Die betroffene Bevölkerung muss sich bewusst auf einen Lern-, Erfahrungs- und Gestaltungsprozess einlassen. Das Kooperationsmodell Entlebuch wurde bereits international anerkannt. Zahlreiche Delegationen aus verschiedenen Regionen und Ländern haben die UNESCO Biosphäre Entlebuch inzwischen besucht, um das Partizipationsmodell zu studieren. Das jährlich erscheinende Journal, das offizielle Informationsmagazin der UNESCO Biosphäre Entlebuch, ist mit einer Auflage von 110 000 Exemplaren und über einer halben Million aufmerksamer Leser und Leserinnen ein überregionales Werbe- und Informationsmedium.


Wissenschaft/Bildung
Wissenschaftliche Arbeiten sollen zur Weiterentwicklung der UNESCO Biosphäre Entlebuch beitragen. So setzte sich das Projekt LACOPE mit einer zukunftsträchtigen Alpwirtschaft auseinander. Als Folgeprojekt entstand das Wanderbuch «Schöne Aussichten», in dem auch der Luzerner Alpkataster aktualisiert wurde. Das Projekt VISULAND erarbeitete Instrumente zur Visualisierung von Landschaftsveränderungen, welche bei der Entwicklung des Waldentwicklungsplanes zum Einsatz kamen. Zudem wird zurzeit eine Erfolgskontrolle aufgebaut, damit in Zukunft Leistungen der UNESCO Biosphäre Entlebuch besser ausgewiesen werden können. Im Bereich Bildung gilt als Vision der Aufbau einer Bildungsregion Entlebuch, in der die Idee UNESCO Biosphäre Entlebuch handlungs- und erlebnisorientiert vermittelt werdensoll. Gäste und Einheimische sollen Botschafter der UNESCO Biosphäre Entlebuch werden. So können Kinder und Jugendliche in der Biosphärenschule eine Projektwoche in der UNESCO Biosphäre Entlebuch mit Exkursionen und Schule auf dem Bauernhof verbringen (www.biosphaerenschule.ch). Im Jahr 2010 nahmen 40 Klassen mit rund 1'000 Schülern am Angebot teil. Gemeinsam mit den 250 Lehrpersonen und 2500 Lernenden des Entlebuchs wird das Thema Biosphäre in den Lehrplan integriert und werden Lernmaterialien bereitgestellt. Startschuss bildete ein gemeinsamer Weiterbildungstag aller Lehrpersonen der Region. Die Erwachsenenbildung wird im Rahmen der Biosphärenakademie (Privatpersonen) und der Biosphärentours (Gruppenanagebote, Seminare) lanciert. resp. weiter ausgebaut.

Weitere Informationen

UNESCO Biosphäre Entlebuch Schweiz
Biosphärenzentrum
Chlosterbüel 28
CH-6170 Schüpfheim


Tel. +41 41 485 88 50
Fax +41 41 485 88 01


E-Mail: zentrum@biosphaere.ch
E-Mail: t.schnider@biosphaere.ch
Internet: www.biosphaere.ch