Jugendhilfe-Netzwerk INTEGRATION / Réseau d’aide à la jeunesse Emmental Entlebuch / Rete di aiuto ai giovani Emmental Entlebuch  

Ein innovatives Angebot für Kinder und Jugendliche mit besonderen Erziehungs- und Bildungsbedürfnissen.

Projekttyp:  Projekt im Bereich öffentliche Infrastruktur und Rahmenbedingungen | Strategie- oder Zukunftsprojekt | Aus- und Weiterbildungsprojekt | Vernetzungsprojekt
Themen/Branche:  Landwirtschaft | Bildung | Öff. und priv. Dienstleistungen

Projektleitung: Urs Kaltenrieder
Autor: Susanne Frutig

Region: Region Emmental
Trägerschaft: 

Stiftung Integration Emmental


Unterstützung des Projektes: Schweizer Berghilfe |  | Stiftung Integration Emmental | 

Beiträge Regio Plus, kommunale und kantonale Beiträge, private Spenden



27.10.2010
Anzahl Good Practice Stimmen: 2
Anzahl Besuche: 945
Anzahl Kommentare: 0

Kurzbeschreibung

Auf Initiative des Atelier ASPOS und ohne jegliche Fremdmittel wurde im Oberen Emmental in Kooperation mit der Gemeinde Eggiwil ein innovatives Angebot für Kinder/Jugendliche mit besonderen Erziehungs- und Bildungsbedürfnissen bei Partnerfamilien entwickelt und umgesetzt. In 12 Jahren konnten ca. 80 Voll- und Teilzeitstellen geschaffen werden. Die Wertschöpfung von 1998 - 2010 beträgt ca. 14 Mio. Franken für eine vom landwirtschaftlichen Strukturwandel massiv geforderte Region.

 

Résumé

Issu d’une initiative privée, le réseau d’aide à la jeunesse Emmental Entlebuch a été créé en 1996 en étroite collaboration avec la commune d’Eggiwil. Depuis 1998, des enfants et des adolescents de zones urbaines requérant une formation et un suivi spéciaux sont placés dans des familles de paysans qualifiées pour cette tâche et qui suivent régulièrement des cours de perfectionnement. Les enfants fréquentent l’école gérée par le réseau ou l’école publique. À l’heure actuelle, le projet a généré quelque 75 emplois à temps plein et partiel; notamment pour les 30 familles d’accueil qui profitent ainsi d’une qualification supplé-mentaire et d’un revenu accessoire important s’ajoutant aux ressources que la ferme leur apporte. Le modèle de placement mise sur les atouts de la zone rurale et crée des places de travail dans une région pauvre en infrastructures.

 

Riassunto

La rete di aiuto ai giovani Emmental Entlebuch è nata nel 1996 da un’iniziativa privata ed è stata realizzata in stretta collaborazione con il comune di Eggiwil. Dal 1998 bambini e giovani provenienti da città e agglomerati urbani con particolari bisogni educativi e di sviluppo vengono affidati a famiglie di contadini che, oltre a essere già idonee a questo compito vengono costantemente formate e perfezionate in tal senso. I ragazzi in affidamento frequentano una scuola appositamente gestita o quella pubblica. A oggi il progetto ha creato circa 75 posti di lavoro (parziali e a tempo pieno), tra cui 30 famiglie di assistenza, che con le risorse disponibili nella fattoria o nell'economia domestica riescono a realizzare un’attività lucrativa accessoria qualificata ed economicamente importante. Questo modello di affidamento punta sulla forza dell’ambiente contadino e crea occupazione in una regione strutturalmente debole.



Hintergründe

Mit diesem Projekt beabsichtigte das Atelier ASPOS die Entwicklung eines neuen Angebotszweiges der Systemischen Gemeinde- und Regionalentwicklung. Mittels einer konkreten Projektidee und in Kooperation mit einer Gemeinde sollte ein Gemeindeentwicklungsprozess angestossen werden. Brachliegende Ressourcen im ländlichen Raum sollten für die Lösung von Problemen des städtischen Raumes im Rahmen der Jugendhilfe genutzt und für beide Seiten gewinnbringend eingesetzt werden.

Ziele

  • Die Entwicklung von qualifizierten Familienplatzierungsangeboten, welche die Grundanliegen des Pflegekinder- und Heimwesens verbinden und mit integrativen Modellen der Bereiche Volks- und heilpädagogische Sonderschule die Jugendhilfe bereichern
  • Die Entwicklung von neuen und nachhaltigen Arbeitsplätzen in einer vom wirtschaftlichen Strukturwandel besonders stark herausgeforderten Region der Schweiz
  • Die Entwicklung einer neuen Qualität in den Beziehungen zwischen "Stadt" und "Land"

Vorgehen

  • Projektidee, Projektskizze entwickelt durch das Atelier ASPOS (ZH)
  • Feinkonzept, Vorbereitungsarbeiten, Umsetzung in enger Zusammenarbeit mit den zuständigen Behörden und Fachleuten der Gemeinde Eggiwil; die Gemeinde Eggiwil verpflichtete sich, die behördliche Aufsicht zu übernehmen
  • Zur Sicherstellung der Gemeindeverträglichkeit und insbesondere der Schulverträglichkeit wurde für die Entwicklung und Umsetzung des Projektes eine Partnergemeinde gesucht und in Eggiwil gefunden
  • Das von privater Seite initiierte und vorfinanzierte Projekt wurde bei Beginn der Umsetzung in einen gemeinnützigen Verein überführt
  • Die Öffentlichkeit wurde von Anfang an über das Projekt und seine Entwicklung in regelmässigen Abständen über die lokalen und regionalen Medien informiert
  • Die kantonalen, regionalen und lokalen Behörden und ExponentInnen wurden von Anfang an in die Projektentwicklung miteinbezogen

Zeitplan

  • 1995: Projektidee/Projektskizze durch Atelier ASPOS (Entwicklung)
  • 1996: Suche nach Partnergemeinde über Inserat; erster Kontakt mit GR Eggiwil (Vorbereitung)
  • 1997: Akquisition, Qualifikation, Ausbildung der Partnerfamilien; Vorbereitung der Gemeindebehörden und der Dorfschule für die ersten Platzierungen (Vorbereitung)
  • 1998: Erste Platzierungen von Kindern/Jugendlichen bei Partnerfamilien (Umsetzung), Gründung des Vereins Integration als neue Trägerschaft
  • 2003: Qualitativer und quantitativer Ausbau mit finanzieller Unterstützung durch Regio+-Gelder
  • 2004: Aufbau der Abteilung Systemische Therapie mit einer eigenen Tagesschule
  • 2005: Gründung der Stiftung Integration Emmental und Überführung in die neue Trägerschaft
  • 2005: Aufbau der Kooperation mit zusätzlichen Gemeinden des oberen und unteren Emmentals
  • 2007: IV-Anerkennung im Einzelfall
  • 2008: 10-jähriges Jubiläum des Jugendhilfe-Netzwerks INTEGRATION
  • 2008: Aufbau der Kooperation mit den Gemeinden Escholzmatt und Marbach aus dem Entlebuch
  • 2008: Akquisition, Qualifikation und Ausbildung von Partnerfamilien aus den Gemeinden Marbach und Entlebuch
  • 2009: Die Berner Regierung erteilt dem Jugendhilfe-Netzwerk INTEGRATION die Heim- bzw. IVSE-Anerkennung.
  • 2009: Dank der finanziellen Unterstützung von Schweizer Berghilfe, Bund, Kanton Bern und Privaten erfolgt am 1.5.2009 der Spatenstich für den Neubau des Kompetenzzentrums für Nachhaltige Gemeinde- und Regionalentwicklung "Pavillon Integration". Darin befinden sich der Sitz der Stiftung, die Fachstelle sowie die Tagesschule des Jugendhilfe-Netzwerks Emmental-Entlebuch.
  • 2010: Im Januar 2010 wird der Betrieb im neu erbauten "Pavillon Integraton" aufgenommen. Die Einweihungsfeier findet in Anwesenheit von 350 Personen aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft am 1.5.2010 statt.

Evaluation und Ergebnisse

  • Das Jugendhilfe-Netzwerk INTEGRATION kann 2008 das 10-jährige Jubiläum feiern
  • Über 100 Kinder und Jugendliche fanden ein neues Zuhause
  • 8 Gemeinden aus dem Emmental und 2 Gemeinden aus dem Entlebuch sind beteiligt
  • 80 Voll- und Teilzeitstellen konnten geschaffen werden
  • Das Platzierungsangebot wurde mit einer eigenen Tagesschule ergänzt
  • Von 1998 - 2010 wird eine Wertschöpfung von ca. 14 Mio. Franken generiert (Geld das von städtischen Gebieten für eine konkrete Dienstleistung in den ländlichen Raum fliesst)
  • Weitere Projekte wurden entwickelt und umgesetzt, z.B. das Eggiwiler Symposium, das Projekt TRIASOL, das Projekt GELD + GEIST, das Projekt HOHGANT (Kleinkinder-Kollektion)
  • Das Jugendhilfe-Netzwerk INTEGRATION konnte sich in der schweizerischen Jugendhilfe als fachlich und qualitativ hochstehendes Platzierungsangebot etablieren
  • Die beteiligten Partnerfamilien haben durch Aus- und Weiterbildung sowie in der direkten Arbeit mit Kindern/Jugendlichen, Herkunftsfamilien, Behörden, Fachleuten aus dem städtischen Raum wertvolle Kompetenzen erworben, welche dem Gemeinwesen neu zur Verfügung stehen
  • Die Gemeinde Eggiwil konnte in den vergangenen Jahren die Popularität des Jugendhilfe-Netzwerks INTEGRATION und der übrigen Projekte als Plattform für ein erfolgreiches Standortmarketing nutzen
  • Das Jugendhilfe-Netzwerk INTEGRATION wird heute von Fachleuten als Modell für die Neue Regionalpolitik des Bundes (NRP) und für eine nachhaltige Gemeinde- und Regionalentwicklung beurteilt

Schwierigkeiten bei der Projektentwicklung

  • Das Finden einer Kooperationsgemeinde, welche sich auf einen Entwicklungsprozess einlässt
  • Grosse Skepsis von Seiten der Öffentlichkeit und der Schule
  • Finanzierbarkeit

Finanzen

  • Entwicklung und Aufbau des Projektes wurden vom Atelier ASPOS aus eigenen Mitteln von rund 300'000 Fr. vorfinanziert
  • Mit der ersten Platzierung im Jahre 1998 konnte Umsatz generiert werden (über Tagesansätze)
  • Mit Ausnahme der internen Tagesschule werden alle Mitarbeitenden (Partnerfamilien, Fach- und Geschäftsstelle, Psychiater, etc.) im Beteiligungsmodell für ihre Leistungen honoriert, d.h. keine fixen Einnahmen. Mit diesem Modell konten insbesondere zu Beginn der Umsetzungsphase die Fixkosten flexibel und niedrig gehalten und der Betrieb kostendeckend geführt werden.
  • Mit Unterstützung des Bundes über Regio Plus konnte die Ausbauphase III (qualitativer und quantitativer Ausbau mit eigener Tagesschule) ermöglicht werden
  • Das Neubauprojekt wird von der Schweizer Berghilfe mitfinanziert.

Beurteilung der Auswirkungen

  • Dank des konsequent angewendeten Ansatzes der Gemeindeverträglichkeit (Platzierungen nur in Partnergemeinden der Stiftung Integration Emmental, Sicherstellen der Schulverträglichkeit, transparente Information der Öffentlichkeit, Fokus auf Qualität anstatt Quantität) erfreut sich das Jugendhilfe-Netzwerk INTEGRATION heute bei Behörden und Öffentlichkeit einer hohen Anerkennung
  • Das Jugendhilfe-Netzwerk INTEGRATION gilt heute als beispielhaftes Modell für eine neue Form in der stationären Jugendhilfe in der Schweiz und in Europa.

Weitere Informationen

Stiftung Integration Emmental
Ausserzimmerzei 680B
3537 Eggiwil
Tel. 034 491 21 60
Mail: info@stiftung-integration.ch
Internet: www.stiftung-integration.ch