Prättigauer Alp Spektakel

echt, original, urchig.

Projekttyp:  Kommunikationsprojekt | Vermarktungsprojekt | Projekt zur Angebotsentwicklung
Themen/Branche:  Landwirtschaft | Gewerbe | Tourismus

Projektleitung: Rolf Hug
Autor: Rolf Hug

Region: Regionalverband Pro Prättigau
Trägerschaft:  Regionalverband Pro Prättigau  | 

Bauernverein Prättigau


Unterstützung des Projektes:

Beiträge: Bundesamt für Landwirtschaft, Seco, kantonale Beiträge (Fr. 10'000.--), kommunale und regionale Beiträge (Fr. 5'000.--)



29.09.2010
Anzahl Good Practice Stimmen: 0
Anzahl Besuche: 542
Anzahl Kommentare: 0

Kurzbeschreibung

Das Prättigau ist eine der grössten Alpregionen Graubündens. Mit über 80 intakten Alpen hat die Alpwirtschaft mit ihrer jahrhundertealten Kultur nach wie vor eine grosse Bedeutung. Mit dem Prättigauer Alp Spektakel soll eine einmalige Plattform geschaffen werden, welche die vielfältige Prättigauer Alpkultur in all ihren Facetten beleuchtet, den Verkauf von einheimischen Alp- und Bergprodukten fördert und die Wertschöpfung im Tal zu steigern vermag.



Hintergründe

Auf den 27 Sennalpen des Tals werden Sommer für Sommer über 150'000 kg Alpkäse hergestellt und auf den rund 50 Jung- und Kleinviehalpen werden über 6'000 Tiere gesömmert. Für das Prättigau hat die Alpwirtschaft nach wie vor eine grosse Bedeutung und die Prättigauer Alpen sind zugleich Wohn- und Lebensraum für rund 500 Bauernfamilien, temporärer Arbeitsplatz für 160 Älplerinnen und Älpler sowie Erholungsraum für viele Einheimische und Gäste.

 

Während 11 Jahren hat jeweils am ersten Sonntag im Oktober in der Tennishalle in Küblis (Prättigau) eine Alpkäsedegustation stattgefunden. Obwohl dieser Anlass mit der Zeit kontinuierlich gewachsen ist, blieb er stets ein Talfest für Einheimische. Der Verkauf von Alpkäse war marginal.

 

Prättigau Plus (ein vom Regionalverband Pro Prättigau lanciertes Regioprojekt) hat sich unter anderem zum Ziel gesetzt, die touristischen Besonderheiten des Prättigaus besser zu erschliessen und den Verkauf von Produkten und Dienstleistungen zu verbessern. Auf der Suche nach einem einzigartigen Verkaufsvorteil (USP) hat sich rasch einmal herausgestellt, dass sich die Prättigauer Alpwirtschaft ideal als "Aufhänger" eignen würde. Daher ist die Idee entstanden, einzelne Prättigauer Alpen touristisch besser zu nutzen und mit einem jährlich stattfindenden Grossanlass die Prättigauer Alpwirtschaft besser in Szene zu setzen. Mit dem Prättigauer Alp Spektakel sollen der Verkauf von Alpkäse und anderen Prättigauer Alp- und Bergprodukten markant gesteigert und in Zusammenarbeit mit der Tourismus neue Gäste gewonnen werden.

Ziele

Die Bäuerinnen und Bauern des Tals wollen zusammen mit dem Tourismus einen Grossanlass auf die Beine stellen, der den Vergleich mit den international bekannten Maienfelder Pferderenntagen nicht zu scheuen braucht. Einem Leuchtturm gleich soll das Alp Spektakel dank intensiver Kommunikation weit über die Talgrenzen hinaus auf das Prättigau aufmerksam machen, um so die Talschaft als kleine aber feine Ferienregion bekannter zu machen und den Verkauf von einheimischen Spezialitäten (insbesondere Käse und Fleisch) zu fördern.

Vorgehen

Im Jahr 2005 hat sich im Rahmen von "Prättigau Plus" eine Arbeitsgruppe intensiver mit der Frage befasst, wie die Prättigauer Alpen touristisch besser genutzt werden könnten. Dabei ist die Idee des Prättigauer Alp Spektakels entstanden.

 

Im Frühjahr 2006 wurde die Idee erstmals den Prättigauer Alpgenossenschaften vorgestellt. Trotz anfänglicher Skepsis haben sich rund 20 Personen bereit erklärt, an den Aufbauarbeiten mitzuwirken. Innerhalb eines halben Jahres haben sie das erst Prättigauer Alp Spektakel auf die Beine gestellt.


Nachdem das erste Alp Spektakel 2006 ein einzigartig grosses mediales Echo gefunden , und selbst die Tagesschau Hauptausgabe des Schweizer Fernsehens über diesen Anlass mit seinen 3'000 Besucherinnen und Besuchern berichtet hat, soll auch 2007 wiederum ein vielfältig-lebendiger Grossanlass steigen, aufbauend auf viel neuem Ideengut.

 

Während der Aufbauphase von drei Jahren wurde das Alp Spektakel über Prättigau Plus finanziell unterstützt. Inzwischen ist der Grossanlass von Prättigau Plus unabhängig. Es müssen jedoch jährlich Sponsoring- und Gönnerbeiträge in der Grössenordnung von 100'000 Franken zusammengetragen werden, um die Kommunikations- und Infrastrukturkosten zu decken. Die Projektleitung wird derzeit über das LBBZ Plantahof in Zusammenarbeit mit Prättigau Tourismus sichergestellt. Die Helferentschädigungen basieren auf einem Stundenlohn von Fr. 10.-, d.h. im Rahmen von "Freiwilligenarbeit".

Zeitplan

  • 2005: Arbeitsgruppe lanciert die Idee des Prättigauer Alp Spektakels
  • Frühjahr 2006: Die Idee des Alp Spektakels wird der bäuerlichen Bevölkerung präsentiert
  • 6. - 7. Oktober 2006: 1. Prättigauer Alp Spektakel mit rund 3'000 Gästen
  • 4. - 6. Oktober 2007: 2. Prättigauer Alp Spektakel mit rund 5'000 Gästen
  • 2. - 5. Oktober 2008: 3. Prättigauer Alp Spektakel mit rund 6'000 Gästen
  • 8. - 11. Oktober 2009: 4. Prättigauer Alp Spektakel mit rund 7'000 Gästen
  • 7. - 10. Oktober 2010: 5. Prättigauer Alp Spektakel

Beteiligte Gruppen und Organisationen

Landwirtschaft, Gastgewerbe und Tourismus

Evaluation und Ergebnisse

Mit dem Prättigauer Alp Spektakel wird beste Öffentlichkeitsarbeit für die Land- und Alpwirtschaft und für die Region Prättigau betrieben. Damit wird einerseits eine Sensibilisierung der Bevölkerung für die Berglandwirtschaft und für deren Produkte erreicht, welche sich hoffentlich auch langfristig positiv auf das Kaufverhalten auswirkt. Dies ist in der heutigen Zeit ein nicht zu unterschätzender Faktor, da besonders in städtischen Gebieten und Agglomerationen der Bezug zur Landwirtschaft und zur Lebensmittelproduktion weitgehend verloren gegangen ist. Andererseits bringt der Anlass einige neue Besucher ins Tal, welche teilweise auch mehrere Tage bleiben. Ziel wäre es natürlich auch hier, dass die Gäste zu Hause von ihren Erlebnissen erzählen und auch selbst wieder ins Prättigau zurückkehren.

 

Das Prättigauer Alp Spektakel hat deutliche Entwicklungsfortschritte gemacht und der Anlass hat sich gut etabliert. Damit sich das Alp Spektakel in der Region festigen kann, braucht es einige Jahre an Aufbauarbeit. Erfahrungen aus anderen Grossanlässen zeigen, dass insbesondere der finanzielle Aspekt sehr schwierig ist und häufig zu Kritik führt. Dies ist einerseits verständlich. Andererseits darf bei Anlässen, an welchen Öffentlichkeitsarbeit und somit die nachhaltige Verbesserung der Umsätze (Landwirtschaft und Tourismus) gefördert werden, nicht der kurzfristige finanzielle Erfolg im Vordergrund stehen.

 

Das Alp Spektakel geniesst bei den Besuchern und auch durch die breite Kommunikation ein sehr grosses Ansehen und hat Vorbildcharakter für andere Projekte. Eine Weiterführung ist daher wichtig und sinnvoll. Mittelfristig sind für den Anlass insbesondere folgende Erfolgsfaktoren entscheidend:

  • Die Verankerung gegen innen muss sich weiter verbessern: Es ist anzustreben, dass sich Alpgenossenschaften oder zumindest Bäuerinnen und Bauern aus dem ganzen Tal aktiv am Anlass beteiligen.
  • Der Anlass muss sich laufend weiter entwickeln um attraktiv zu bleiben. Somit braucht es laufend neue Attraktionen, damit das Publikum auch langfristig für den Anlass gewonnen werden kann.
  • Der Markt muss wieder vermehrt ins Zentrum des Anlasses gerückt werden. Hier muss weiter überlegt werden, wie man die Attraktivität des Marktes für die Besucher gesteigert werden kann und wie der Produktabsatz verbessert wird. Es ist darauf zu achten, dass der Markt besser in den Gesamtanlass eingebettet wird bzw. zum zentralen Element des Alp Spektakels wird.
  • Über den Markt hinaus, soll auch die langfristige Kundenbindung weiter forciert werden. Hier wurden bereits Massnahmen getroffen (Kontaktadressen von Direktvermarktern auf der Homepage, Etiketten mit Kontaktadressen, Verkaufsgespräche und Flyer an den Marktständen). Eine weitere Massnahme unter dem Jahr sind die sogenannten Alpkuhpatenschaften, welche sich bei auswärtigen Gästen einer steigenden Beliebtheit erfreuen.
  • Für die Betreuung eines derartigen Grossanlasses braucht es eine professionelle Projektleitung. Die Zusammenarbeit zwischen Prättigau Tourismus und dem LBBZ Plantahof funktioniert zwar im Moment sehr gut. Der Aufwand für die Projektleitung ist aber im Verhältnis zu den Einnahmen zu hoch. Hier muss langfristig eine tragbare Lösung gefunden werden.
  • Der Anlass wird auch langfristig auf öffentliche Mittel angewiesen sein. Wichtig sind insbesondere die Partnerschaften mit der Vermarktungsplattform alpinavera, dem Alpkäsefonds der Schweizer Milchproduzenten, dem regionalen und kantonalen Bauernverband und die Unterstützung durch die Region (Prättigau Tourismus, Gemeinden und Regionalverband). „Last but not least“ bleiben natürlich auch private Partner und Sponsoren ein entscheidender Erfolgsfaktor für die Finanzierung und die Kommunikation des Anlasses.

Schwierigkeiten bei der Projektentwicklung

Die grösste Herausforderung liegt darin, sämtliche Interessen der beteiligten Personen unter einen Hut zu bringen. Im Prättigau existieren derzeit noch über 500 Bauernbetriebe und 27 Alpen, die das OK Alp Spektakel gerne in den Anlass integrieren möchte. Dies ist bis jetzt nur teilweise gelungen. Auf die Kommunikation gegen innen muss daher auch in Zukunft grossen Wert gelegt werden.

Finanzen

Das erste Prättigauer Alp Spektakel ist mit finanziellen Aufwand von Fr. 160'000.- realisiert worden. Insgesamt Fr. 44'000.- (davon Fr. 15'000.- aus Prättigau Plus) sind über Sponsorgelder finanziert worden, der Rest konnte über den Verkauf von Tickets und dem Umsatz aus der Gastwirtschaft gedeckt werden.

Das Prättigauer Alp Spektakel 2009 wurde mit finanziellen Aufwand von Fr. 325'000.- realisiert. Insgesamt Fr. 110'000.- sind über Sponsoringgelder, Gönnerbeiträge und Beiträge der öffentlichen Hand finanziert worden, der Rest konnte über den Verkauf von Tickets, Tombolalosen und aus dem Umsatz aus der Gastwirtschaft gedeckt werden.

Weitere Informationen

www.alpspektakel.ch