Maschinenring Graubünden 
Projekttyp: Vernetzungsprojekt | Beratungs- und Coachingprojekt | Projekt zur Angebotsentwicklung Themen/Branche: Öff. und priv. Dienstleistungen | Gewerbe | Wald und Holz | Landwirtschaft Projektleitung: Claudio Müller Autor: Claudio Müller Region: Corporaziun regiunala Val Müstair ARA | Kreisamt Oberengadin | Landschaft Davos Gemeinde | Organizzazione regionale della Calanca ORC | Pro Engiadina Bassa | Region Mittelbünden Unterstützung des Projektes: Schweizer Berghilfe 10.01.2012 Anzahl Good Practice Stimmen: 1 Anzahl Besuche: 124 Anzahl Kommentare: 0 |
Kurzbeschreibung
Der Verein Maschinenring Graubünden ist eine unabhängige bäuerliche Selbsthilfeorganisation, welcher seine operative Tätigkeit 2009 mit 434 Mitgliedern aufgenommen hat und heute knapp 650 Mitglieder auf sich vereint. Als kantonsweites Netzwerk setzen wir uns zu Gunsten unserer Mitglieder für die Reduktion der Betriebskosten, für die Verbesserung der bäuerlichen Einkommen und für die Steigerung der Lebensqualität auf den Bündner Bauernbetrieben ein.
Die Geschäftsstelle übernimmt als Drehscheibe die Aufgabe die Mitglieder untereinander zu vernetzen. Wir akquirieren Aufträge in- und ausserhalb der Landwirtschaft und geben sie an unsere Mitglieder weiter. Unsere Dienstleistungen teilen wir in drei Kategorien ein:
MR-Agrar
Wir vermitteln und koordinieren überbetriebliche Maschineneinsätze innerhalb der Bündner Landwirtschaft und rechnen nach getaner Arbeit die Einsätze zwischen Auftraggeber und Auftragnehmer ab. Dank einer besseren Auslastung der Maschinen können die einzelbetrieblichen Maschinenkosten deutlich gesenkt werden.
MR Personal
Wir vermitteln einheimische Fachkräfte für befristete Einsätze. Im Familien- und Betriebshelferdienst stellen wir den Bündner Bauernbetrieben in Notsituationen und in Zeiten hoher Arbeitsbelastung ausgebildete Landwirte zur Verfügung. Im Haushaltservice Graubünden leisten unsere Mitarbeiterinnen stundenweise Unterstützung in privaten Haushalten. Im Personalverleih Gewerbe kommen unsere Landwirte zum Einsatz, wenn das landwirtschaftsnahe Gewerbe (Forst, Gartenbau, Baugewerbe) auf der Suche nach temporären Arbeitskräften ist.
MR Service
Winterdienst, Grünraumpflege und allgemeine Arbeiten im Kommunalbereich sollen künftig an unsere Mitglieder weitervermittelt werden. Diese Dienstleistung ausserhalb der Landwirtschaft muss jedoch erst noch aufgebaut werden.
Hintergründe
Die Maschinenkosten eines durchschnittlichen Bündner Bauernbetriebes (28 ha LN) betragen jährlich rund Fr. 38'000.-, dies bei einem durchschnittlichen landwirtschaftlichen Einkommen von rund Fr. 50'000.-. Die Maschinenkosten machen den grössten Teil der Strukturkosten eines Bergbetriebes aus. Zum Vergleich: rund 40% der Direktzahlungen, welche ein Bündner Durchschnittsbetrieb vom Staat erhält, werden für Maschinen ausgeben. Mit vermehrter überbetrieblicher Zusammenarbeit sollen Synergien genutzt und die einzelbetrieblichen Maschinenkosten gesenkt werden. Nicht mehr jeder Betrieb ist darauf angewiesen, alle Maschinen selbst anzuschaffen, sondern kann die im Ring gepoolten Maschinen bei Bedarf in Anspruch nehmen. Einsparpotentiale von mehreren tausend Franken pro Jahr und Betrieb sind so möglich.
Trotz immer grösser werdender Betriebe sind viele Bauernfamilien auf ein Zusatzeinkommen ausserhalb der Landwirtschaft angewiesen. Gut bezahlte Arbeit zu finden, welche neben dem eigenen Betrieb ausgeführt werden kann, ist jedoch nicht immer einfach. Die Geschäftsstelle akquiriert temporäre Arbeitseinsätze in- und ausserhalb der Landwirtschaft und vermittelt diese an die Landwirte weiter.
Die Arbeitsbelastung in der Landwirtschaft hat stark zugenommen. Der Druck, der auf den Bauernfamilien lastet, kommt in verschiedensten Bereichen zum Ausdruck (Burnout, steigende Scheidungsraten, Arbeitsunfälle, Suizide etc.). Als tragfähiges Netzwerk unterstützt der Maschinenring seine Mitglieder in Zeiten hoher Arbeitsbelastung und in Notsituationen, sei dies mit dem Familien- und Betriebshelferdienst oder mit maschinellen Einsätzen anderer Mitglieder.
Im Kanton Graubünden sind von 1990 bis 2005 fünf regionale Maschinenringe entstanden, welche v.a. in der überbetrieblichen Zusammenarbeit mit Maschinen tätig gewesen sind. Diese Ringe wurden im Nebenamt von regionalen Geschäftsführern geleitet. Das Potential, welcher der Maschinenring-Idee zugrunde liegt, konnte jedoch nie richtig ausgeschöpft werden. Daher haben sich die fünf Ringe entschieden, sich zum Maschinenring Graubünden zusammenzuschliessen und gemeinsam eine vollamtliche Geschäftsstelle einzurichten.
Ziele
- Senkung der einzelbetrieblichen Produktionskosten der Bündner Bauernbetriebe dank besserer Auslastung der Maschinen durch überbetriebliche Zusammenarbeit (MR Agrar)
- Erschliessung neuer Einkommensquellen, um den involvierten Bauernbetrieben einen profitablen Nebenerwerb bieten zu können (MR Personal, MR Service)
- Reduktion der einzelbetrieblichen Arbeitsbelastung in Spitzenzeiten, Nothilfe in akuten Situationen in Haushalt und Betrieb sowie Ferienaushilfe, um neue Freiräume für die Bauenfamilien zu schaffen.
- Mit interessanten Jobs den angehenden Bäuerinnen und Bauern den Einstieg ins Berufsleben erleichtern und/oder der abtretenden Generation eine rechtzeitige Übergabe an die Nachfolgegeneration ermöglichen.
Vorgehen
- 22. März 2006: anlässlich der MR-Tagung der fünf Bündner Ringe haben die Verantwortlichen entschieden, den Aufbau des Maschinenrings Graubünden voranzutreiben. In der Folge wurden Konzepte verfasst und der Kanton Graubünden und die Schweizer Berghilfe um eine finanzielle Starthilfe angefragt. Diese haben dem Projekt Maschinenring Graubünden einen einmaligen Starthilfebeitrag von Fr. 315'000.- zugesichert.
- 7. Dezember 2007: Gründung Verein Maschinenring Graubünden.
- 1. August 2008: Arbeitsantritt der ersten Geschäftsführerin des Maschinenrings Graubünden (Tamara Hess) und Bezug der Geschäftsstelle am LBBZ Plantahof in Landquart.
- 30. Oktober 2008: Gründung der MR Personal- und Service GmbH als alleinige Tochtergesellschaft des Maschinenrings Graubünden zwecks Abwicklung des Personalverleihs und der Dienstleistungen im Bereich MR-Service.
- 1. Januar 2009: Operativer Start Geschäftsstelle Maschinenring Graubünden
- 1. Februar 2009: Beginn Einsatzleitung Haushaltservice Graubünden
- 1. April 2009: Beginn Einsatzleitung Familien- und Betriebshelferdienst
- 1. September 2009: Arbeitsantritt des zweiten Geschäftsführers (Claudio Müller)
- 7. Oktober 2009: Kantonale Bewilligung zum Verleih von Arbeitskräften mit Wohnsitz in der Schweiz an Arbeitsplätze in der ganzen Schweiz (Bewilligungsbehörde Amt für Industrie, Gewerbe und Arbeit des Kantons Graubünden; KIGA).
- 1. Februar 2010: Personelle Aufstockung der Geschäftsstelle (Bereich Buchhaltung und Personalvermittlung) in der Person von Urs Riederer. Die Geschäftsstelle verfügt seit diesem Zeitpunkt unverändert über 190% Stellenprozente.
- 1. Mai 2010: Start Personalverleih landwirtschaftlicher Arbeitskräfte ins Gewerbe.
- 27. April 2011: Strukturanpassung; Auflösung aller fünf regionalen Maschinenringe und definitive Fusion mit dem Maschinenring Graubünden.
- 1. Mai 2011: Verlegung der Geschäftsstelle von Landquart nach Cazis, an den Standort des Bündner Bauernverbandes.
Beteiligte Gruppen und Organisationen
Landwirtschaft, Wald und Holz, Gewerbe/Industrie, Öffentliche und private Dienstleistungen
Evaluation und Ergebnisse
2009
- Mitgliederzahlen von 434 auf 502 gesteigert.
- Im Bereich MR Agrar Fr. 1'455'364.- an Maschinenleistungen unter den Mitgliedern vermittelt und abgerechnet.
- Familien- und Betriebshelferdienst: Mit 33 temporären Arbeitskräften 9'279 Einsatzstunden in Bündner Bauernbetrieben geleistet (Umsatz: Fr. 224'553.-).
- Haushaltservice Graubünden: Mit 48 temporären Mitarbeiterinnen 7'245 Einsatzstunden in privaten Haushalten geleistet (Umsatz: Fr. 239'109.-).
- Gesamthaft 16'524 Arbeitsstunden vermittelt und abgerechnet, was rund 8 Vollzeit-Jahresstellen entspricht.
2010
- Mitgliederzahlen von 502 auf 580 gesteigert.
- Im Bereich MR Agrar Fr. 1'261'937.- an Maschinenleistungen unter den Mitgliedern vermittelt und abgerechnet.
- Familien- und Betriebshelferdienst: Mit 30 temporären Arbeitskräften 10'730 Einsatzstunden geleistet (Fr. 266'781.- Umsatz).
- Haushaltservice Graubünden: Mit 49 temporären Mitarbeiterinnen 9'704 Einsatzstunden in privaten Haushalten geleistet (Fr. 321'420 Umsatz).
- Personalverleih Gewerbe: Mit 20 temporären Mitarbeitern 4'100 Einsatzstunden in Gewerbebetrieben geleistet (Fr. 184'882.- Umsatz).
- Gesamthaft 24'570 Arbeitsstunden vermittelt und abgerechnet, was rund 12 Vollzeit-Jahresstellen entspricht.
Finanzen
Der Maschinenring Graubünden finanziert sich aus den Mitgliedsbeiträgen (Fr. 90.- Jahresbeitrag pro Mitglied), mit Provisionen aus der gesamten Vermittlungstätigkeit sowie mit Einnahmen aus dem Verkauf von Inseraten. In der Startphase erhielt der Maschinenring Graubünden einen einmaligen Starthilfebeitrag von Fr. 220'000.- vom Kanton Graubünden sowie einen solchen von Fr. 95'000.- von der Schweizer Berghilfe. Die Starthilfe wurde ausschliesslich für den Aufbau der Geschäftsstelle (Löhne, Infrastruktur und Kommunikationsmittel) verwendet.
Beurteilung der Auswirkungen
Wichtigste Erfolgsfaktoren
- Mitgliederwachstum: innert zweieinhalb Jahren den Mitgliederbestand um mehr als 50% gesteigert (Stand 1. Januar 2009: 432 Mitglieder; Stand 1. Juni 2011: 648 Mitglieder). Das Wachstum der Mitgliederzahlen kann als deutliches Indiz für den Nutzen des Maschinenrings Graubünden gewertet werden.
- Aufbau Personalvereleih (Familien- und Betriebshelferdienst, Haushaltservice Graubünden, Personalverleih Gewerbe). Schaffung von dezentralen temporären Arbeitsmöglichkeiten für Bäuerinnen und Bauern sowie weiteren Personen aus dem ländlichen Raum.
- Aufbau einer zehnköpfigen Montagegruppe bestehend aus Landwirten, welche verschiedenen Firmen beim Bau von Solaranlagen im Kanton Graubünden zur Verfügung stehen wird.
- Abschluss von Einkaufsgemeinschaften mit acht Partnerfirmen, welche unseren Mitgliedern exklusive Rabatte gewähren (Ziel: dank der Einkaufsmacht des Maschinenringes die Betriebskosten der einzelnen Mitgliedsbetriebe senken zu können).
- Eigener Webauftritt (www.maschinenring-gr.ch), um alle Mitglieder, Kunden und Partner besser informieren zu können.
- Erfolgreiche Jahresabschlüsse 2009 und 2010. Es ist davon auszugehen, dass sich der Maschinenring Graubünden bereits in seinem dritten Geschäftsjahr aus eigener Kraft vollständig aus seinen Dienstleistungen wird finanzieren können.
- Fusion Maschinenring Graubünden: alle fünf regionalen Maschinenringe haben im Frühjahr 2011 der Fusion mit dem Maschinenring Graubünden zugestimmt und damit ihr Vertrauen in die kantonale Organisation zum Ausdruck gebracht.
Perspektiven
Der Maschinenring Graubünden soll sich als unabhängige Selbsthilfeorganisation nachhaltig etablieren:
- Der Mitgliederbestand soll bis in 5 Jahren auf 1'200 Personen gesteigert werden; damit wären rund 50% aller Bündner Bauernbetriebe im Maschinenring Graubünden vereint. Das Netzwerk Maschinenring soll weiter an Tragkraft gewinnen.
- Die Geschäftsstelle soll mit mindestens zwei weiteren Pesonen besetzt werden, damit die Stabilität der Organisation auch langfristig gewahrt werden kann.
- Aufbau des Bereichs MR Service (Winterdienst, Grünraumpflege, Pflege von Naturschutzflächen etc.) um neue Einkommensquellen für die Landwirte zu erschliessen.
- Ausbau des gesamten Personalverleihs um ausreichend Nothilfe und Hilfe in Zeiten hoher Arbeitsbelastung auf den Bündner Bauernhöfen leisten zu können. Ausserhalb der Landwirtschaft sollen weitere temporäre Zuerwerbsmöglichkeiten für Bäuerinnen und Bauern geschaffen werden.
Weitere Informationen
Maschinenring Graubünden
Bündner Arena 1
7408 Cazis
Tel. 081 925 38 38
Fax 081 925 38 40
e-Mail: info@maschinenring-gr.ch
Internet: www.maschinenring-gr.ch


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