Braugerstenanbau Gran Alpin / Culture d’orge de brasserie Gran Alpin / Coltivazione di orzo da birra Gran Alpin    

Anbau, Verarbeitung und Vermarktung im Berggebiet

Themen/Branche:  Landwirtschaft | Gewerbe

Projektleitung: Christian Bühler, Co-Präsident Gran Alpin
Autor: Christian Bühler

Region: Region Mittelbünden


19.08.2011
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Kurzbeschreibung

Auf Initiative der Produzenten-Genossenschaft Gran Alpin – gegründet von Bündner Bauern – wird im Graubündner Berggebiet seit 2003 auf über 1000 m ü. M. Braugerste angebaut. Die Bio-Braugerste wird vollständig von der Genossenschaft übernommen, welche sie vermälzen lässt und an drei einheimische Brauereien (Brauerei Locher, Appenzell; Bieraria Engadinaisa, Tschlin; Brauerei BierVision, Monstein) weiterverkauft. Das Projekt fördert den traditionellen Bergackerbau, der in den letzten Jahrzehnten massiv zurückgegangen ist. Der Anbau von Berggetreide ermöglicht zahlreichen Bauern, einen wichtigen Zusatzerwerb neben der Viehhaltung zu sichern. Der Bergackerbau leistet gleichzeitig einen wertvollen Beitrag an die Biodiversität und die landschaftliche Vielfalt der Kulturlandschaft. Inzwischen bauen bereits 35 Landwirte im Berggebiet auf rund 27 Hektaren Ackerfläche Bio-Braugerste für Gran Alpin an, die jährliche Erntemenge liegt bei 80 bis 120 Tonnen.

 

Résumé

À l’initiative de la coopérative de producteurs Gran Alpin, fondée par des paysans grisons, on cultive de l’orge de brasserie depuis 2003 dans les montagnes des Grisons, à 1000 m d’altitude. L’orge de brasserie bio est entièrement prise en charge par la coopérative, qui la fait malter et la revend à trois brasseries régionales (Brasserie Locher, Appenzell; Bieraria Engadinaisa, Tschlin; Brasserie BierVision, Monstein). Le projet favorise l’agriculture de montagne traditionnelle qui a fortement reculé ces dernières décennies. Ajoutée à l’élevage du bétail, la culture de céréales assure à de nombreux paysans de montagne un important revenu accessoire. L’agriculture de montagne apporte également une précieuse contribution à la biodiversité et offre une diversification du paysage. Aujourd’hui, en région de montagne, on dénombre déjà 35 agriculteurs qui cultivent de l’orge de brasserie bio pour Gran Alpin sur une surface d’environ 27 hectares. La récolte annuelle est de 80 à 120 tonnes.

 

Riassunto

Su iniziativa della cooperativa di produttori Gran Alpin – fondata da contadini locali – dal 2003 nelle montagne del Grigioni si coltiva l’orzo da birra biologico a oltre 1000 metri di altitudine. Tutto l'orzo prodotto viene acquistato dalla cooperativa che lo sottopone a maltaggio e vende il prodotto a tre birrifici della regione (Brauerei Locher, Appenzello; Bieraria Engadi-naisa, Tschlin; Brauerei BierVision, Monstein). Il progetto promuove la tradizionale coltivazione dei campi che negli ultimi decenni è fortemente diminuita. Per molti contadini di montagna coltivare cereali significa garantirsi un’attività lucrativa accessoria che si affianca all’allevamento di bestiame. Inoltre, questa attività fornisce anche un importante contributo alla biodiversità e alla diversificazione del paesaggio culturale. Oggi già 35 agricoltori di montagna coltivano circa 27 ettari di orzo da birra biologico per Gran Alpin e ogni anno raccolgono dalle 80 alle 120 tonnellate.



Hintergründe

Der Bergbau, einst typisch für Graubünden, ist in den letzten Jahrzehnten stetig zurück gegangen. Dieser Rückgang bedeutet eine Verarmung des Landschaftsbildes und einen Verlust der Artenvielfalt wegen der einseitigen Ausrichtung der Landwirtschaft auf die Viehhaltung. Besonders ins Gewicht fällt aber auch der Wissensverlust und der Verlust der Infrastruktur (Mähdrescher, Bodenbearbeiungsgeräte, u.a.). Gran Alpin wurde von Bündner Bauern gegründet, um dem entgegen zu wirken. Neben dem Anbau von Weizen, Speisegerste, Roggen und Dinkel ist man bei Gran Alpin auch immer auf der Suche nach weiteren Getreidearten, die im Berggebiet erfolgreich wachsen. Da besonders auch die Speisegerste eine alte Tradition im Bergackerbau hat, wurde die Idee geboren neben Speisegerste auch Braugerste anzubauen. Eine für die Braugerste benötigte zurückhaltende Düngung ist zudem der Biodiversität förderlich. Der allergrösste Teil der Braugerste für das Schweizer Bier wird aus importiertem Braumalz gebraut. Nach intensiver Aufbauarbeit ist Gran Alpin inzwischen die grösste Braugersteproduzentin in der Schweiz. Und dies erst noch mit Berggetreide. Die für Gran Alpin geernteten Braugerstenmengen übertreffen die Mengen an Speisegerste inzwischen um das sechsfache.

Ziele

Ziel des Projekts ist die Förderung des Bergackerbaus, der in den letzten Jahrzehnten massiv zurück gegangen ist. Das Ziel deckt sicht mit den Zielen der Genossenschaft Gran Alpin, der Förderung einer ökologischen und nachhaltigen Berglandwirtschaft. Der Bergackerbau fördert die Biodiversität im landwirtschaftlichen Raum und damit auch die landschaftliche Schönheit der Kulturlandschaft Graubündens. Der Ackerbau soll den Bauern einen Zusatzerwerb zur Viehhaltung sichern. Ausserdem soll die Versorgung der Region mit einheimischen Produkten wieder vermehrt gefördert werden.

Vorgehen

  • 2003: Die Projektlancierung wurde in den ersten Jahren eher unbürokratisch gehandhabt. Der Initiator des Projekts, H. C. Trepp, dazumal Geschäftsführer von Gran Alpin, war ein Macher. Das Projekt wurde als Versuch gestartet, welcher sich als erfolgreich erwies. Von Beginn weg bestand eine intensive Zusammenarbeit mit der Brauerei Locher und der Bieraria Engiadinaisa. 
  • 2008: Es wurde die Zusammenarbeit mit Bio Grischun gesucht und damit die Verbindung zur BierVison Monstein hergestellt. Ausserdem wird seither intensiver mit den landwirtschaftlichen Beratern des Plantahofes zusammengearbeitet.
  • 2009: Gemeinsam mit diesen wurden Sortenversuche geplant.
  • 2010: Diese werden seit 2010 von zwei Experten durchgeführt. Im gleichen Jahr wurden Anbauverträge zwischen der Brauerei Locher und einigen Gran Alpin Produzenten geschlossen, welche die Abnahme für die Zukunft sichern und verbessern sollen. Vorgesehen ist insgesamt eine langsame und nachhaltige Steigerung des Braugerstenanbaus im Berggebiet von Graubünden und damit des Umsatzvolumens.

Weiteres Vorgehen

Es wird weiterhin grossen Wert auf die Sicherung der Qualität der Braugerste gelegt. Die Sortenversuche werden zusammen mit Bio Grischun von zwei Experten im Berggebiet auf Betrieben von Gran Alpin Produzenten durchgeführt. Dies ist insofern wichtig, da es keine Schweizer Braugerstesorten gibt und Gran Alpin für die Erhaltung und die Verbesserung der Qualität bei der Bergbraugerste auf eigene Sortenversuche angewiesen ist. Um den grossen finanziellen Aufwand abzudecken, konnten jeweils Sponsoren gefunden werden. Langfristig sollen Getreidesortenprüfungen für das Berggebiet wieder von den Schweizer Forschungsanstalten durchgeführt werden.

Ganz neu wurde damit begonnen Bergroggen für die Bierherstellung anzubauen aud auf ihre Brautauglichkeit zu prüfen.

Ein langfristiges Ziel wäre eine eigene Mälzerei in der Schweiz, welche gemeinsam mit den Brauereien und weiteren Akteuren realisiert werden müsste.

Evaluation und Ergebnisse

Von etwa 20 bis 25 t in den Anfangsjahren konnte die Erntemange auf etwa 80 bis 120 t (je nach Ertragslage) gesteigert werden. Haben in den ersten Jahren etwa 10 Landwirte Braugerste für Gran Alpin angebaut, so bebauen inzwischen 35 Landwirte etwa 27 ha Acker mit Biobraugerste für Gran Alpin. Involviert sind die Landwirte, welche die Braugerste anbauen, die Getreidesammelstelle, welche darauf angewiesen ist, dass in Graubünden der Getreidebau erhalten bleibt, die Mälzerei in Deutschland, welche die Gerste zu Malz verarbeitet, die drei Brauereien, der Getränkehandel, Verkaufsläden und Gastwirtschaften sowie die Geschäftsstelle der Genossenschaft Gran Alpin, die alles koordiniert.

Aufgrund des erfolgreichen Projekts von Gran Alpin haben sich inzwischen zusätzlich etwa 20 konventionelle Landwirte im Berggebiet von Graubünden im 2009 zusammengeschlossen und mit Unterstützung der Berater des Plantahofes mit dem Braugersteanbau begonnen. Im 2010 wurden von diesen auf etwa 20 ha 55 t Braugerste geerntet und konnten an die Brauerei Locher verkauft werden. Da dieses Projekt einem gemeinsamen Ziel, der Förderung des Bergackerbaus dient, wird es von Gran Alpin insofern unterstützt, indem die erarbeiteten Sortenempfehlungen an diese Bauern weitergegeben werden und Gran Alpin Hand bietet bei der Lagerung des aus dieser Braugerste für den Parc Ela gebrauten Ela Bieres. Somit kann insgesamt der Schweizer Anteil der Braugerste im inländischen Spezialitätenbier erhöht werden.

Schwierigkeiten bei der Projektentwicklung

Anfängliche Rückschläge wegen mangelnder Qualität der Braugerste können inzwischen durch gesammelte Erfahrungen beim Braugersteanbau im Berggebiet vermieden werden. Hier spielt auch die gute Zusammenarbeit mit den landwirtschaftlichen Beratern und der intensive, von Gran Alpin geförderte Austausch der Praktiker untereinandern (jährlich stattfindende Feldbegehungen) eine grosse Rolle. Ohne den Kontakt und das Interesse einer innovativen Brauerei, welche für ihr gutes Bier bekannt ist, wäre die Vermarktung nicht so einfach möglich gewesen. Mit dem Braugersteanbau im Berggebiet konnte eine Produktnische gefunden und damit der Braugersteanbau in die Schweiz zurück geholt werden.

Finanzen

Der Braugersteanbau von Gran Alpin hat von Anfang an auf eigenen Beinen gestanden.

Weitere Informationen

Genossenschaft Gran Alpin

Christian Bühler
7450 Tiefencastel
Tel.: 081 637 03 07

www.granalpin.ch

 

Prix Montagne 2011