Was braucht es für eine erfolgreiche Vermarktung von regionalen Spezialitäten?

Der Aufbau einer erfolgreichen Vermarktung ist anspruchsvoll und bedingt eine aktive Mitarbeit aller beteiligten Akteure. Die Erfahrungen im Vermarktungsprojekt natürli zeigen, dass eine langsame aber stetige Entwicklung zwar hart ist, aber grosse Vorteile hat. Trotz grossem Erfolg ist das Regionalmarketingprojekt nicht abgeschlossen, sondern ein Projekt das lebt und sich laufend weiterentwickelt.

Autorin: Silke Hein

Themenbereiche:  Landwirtschaft

Datum: 29. 01. 2010
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Seit 1995 baut die Vereinigung Pro Zürcher Berggebiet (PZB) zusammen mit Käsern, Landwirten und dem Vermarkter der Produkte die Marke natürli® mit Milch- und Käsespezialitäten auf und hat sie zu einer der erfolgreichsten Marken für kleingewerblich produzierte Milchprodukte geführt. Bis 2008 wurden nur die in der Region Zürcher Berggebiet produzierten Milch- und Käsespezialitäten unter dem Label „natürli us de Region Zürcher Berggebiet“ vermarktet.

Neu wird die Nutzung des Labels auch für weitere Produzenten ermöglicht. Dies gilt für Produkte aus allen Lebensmittelbereichen und unter Wahrung der Regionalität. Voraussetzung für die Auszeichnung eines Produktes mit der Marke natürli® ist die Unterstützung der Zielsetzungen und Strategien des Vermarktungskonzepts sowie die Erfüllung der strengen Qualitätsanforderungen. Das neue Markenreglement und die für die einzelnen Produzenten erstellten Pflichtenhefte, verbunden mit regelmässigen sensorischen Produktprüfungen, garantieren dem Konsumenten fair produzierte, regionale Produkte von höchster Qualität. Die Marke stellt sicher, dass die durch den Verkauf der Produkte erzielte Wertschöpfung an alle an der Wertschöpfungskette beteiligten Ebenen weitergegeben wird.

Richtige Akteure
Grundlage für den Erfolg des Projektes sind die beteiligten Akteure. Für die Vermarktung von regionalen Spezialitäten sind dies die Bauernfamilien als Rohstofflieferanten und die Verarbeiter, die aus der Landwirtschaft oder dem Gewerbe stammen. Häufig stellt der Marktzugang zu fairen Preisen eine Hürde für Hersteller von guten Produkten dar, hier nimmt die beteiligte Vermarktungsorganisation Natürli Bieri AG eine Schlüsselrolle im Projekt ein. Sie übernimmt sowohl die Logistik als auch das Marketing und trägt die Philosophie der Marke in allen Bereichen mit. Die Verarbeiter können sich auf ihr Kerngeschäft, die Herstellung qualitativ hochstehender Produkte, konzentrieren.

Neben den Akteuren, die direkt an der Produktions- und Verkaufskette beteiligt sind, haben in der Projektentwicklung und -umsetzung auch die Akteure des Regionalmanagements, die das Projekt koordinieren, managen, positionieren und bei der Suche nach Finanzierungsmöglichkeiten unterstützen, eine wichtige Funktion. Hier können Kapazitäten in die Entwicklung und die Positionierung der Marke sowie in die Unterstützung der Akteure investiert werden. So können die aufwendige Kommunikation und die Ausarbeitung der Strategie sowie Neuentwicklungen im vorwettbewerblichen Bereich, nachhaltig unterstützt werden.

Wege zum Erfolg
Positiv für das Projekt ist, dass es sich langsam entwickelt hat, auch wenn dies viel Geduld und Hartnäckigkeit von den Akteuren fordert. Das Projekt wurde ohne nennenswerte finanzielle Unterstützung von aussen aufgebaut. Dies war in vielen Schritten hart. Dennoch hat es die Akteure gezwungen langsam und überlegt voranzugehen und nicht „mit der grossen Kelle“ anzurühren. So konnten Strukturen wachsen und Fehlentscheide mit tragbaren Verlusten korrigiert werden. Damit alle beteiligten Akteure die Philosophie unterstützen und sich als Teil des Projektes sehen, braucht es einen sehr hohen und intensiven Kommunikationsaufwand.

Flexibilität und ein sich weiterentwickeln auf allen Ebenen sind Schlüsselfaktoren für ein erfolgreiches Projekt. Die Akteure in der Produktion und Verarbeitung müssen am Ball bleiben, sich immer wieder neu engagieren, neue Ideen ausprobieren, um neue Produkte präsentieren zu können. Der Vermarkter geht ein hohes Risiko ein, kämpft er doch auf einem sehr hartem Markt, auch er muss immer wieder Positionsbestimmungen durchführen, seine Firma den veränderten Bedingungen anpassen ohne dass Arbeitsplätze und das Engagement verloren gehen. Aufwendig ist auch die Positionierung der Marke. Auf dem Schweizer Markt gibt es mehr und mehr Regionalmarken, sich hier klar zu positionieren, ist eine grosse Herausforderung. Die Marke natürli® bemüht sich ständig im Bereich Qualitätssicherung und bei der Weitergabe der Wertschöpfung eigene und für Regionalmarken neue Standards zu entwickeln und zu etablieren, um den Konsumentenwünschen nach qualitativ hochwertigen und fair produzierten Regionalprodukten nachzukommen.

Das Regionalmarketingprojekt ist damit kein abgeschlossenes Projekt, sondern ein Projekt das lebt und sich entwickelt. Bisher immer in eine sehr positive Richtung. Das Projekt arbeitet weiterhin mit allen Kräften und mit Freude daran, dass dies so bleibt und möglichst viele Produzenten, Verarbeiter und Konsument vom Projekt und den feinen Produkten profitieren können.


 

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