Reka-Familienferien profitieren von der Landwirtschaft – und generieren Wertschöpfung

Nebst der Landwirtschaft ist der Tourismus vielerorts im Berggebiet zentraler Wirtschaftszweig. Nicht immer ist dabei die Wirkungsbilanz des Tourismus für den ländlichen Raum eindeutig positiv. Mit dem Reka-Feriendorf in Urnäsch haben wir eine intensivere Verflechtung zwischen Familientourismus, Landwirtschaft und übriger regionaler Wirtschaft erreicht und ein Win-Win-Win-Modell realisiert.

Autor: Werner Bernet, Geschäftsführer Schweizer Reisekasse Reka

Themenbereiche:  Tourismus

Datum: 04. 08. 2008
Anzahl Besuche: 404
Anzahl Kommentare: 1

Erlebnisse mit Tieren wie Streichelzoos, Hofbesichtigungen und Ferien auf dem Bauernhof sind bei (städtischen) Familien ausgesprochen beliebt. Seit vielen Jahren vermarktet die Reka erfolgreich die Angebote des Vereins «Ferien auf dem Bauernhof». Aus dieser Erfahrung mit den Bauernhof-Ferien ist die Idee entstanden, den Themenbereich «Landwirtschaft und Tiere» mit einem Reka-Feriendorf zu verknüpfen.

In unserem neuen Reka-Feriendorf in appenzellischen Urnäsch mit 50 Wohnungen haben wir diese Idee als «Bauernhoferlebnis» umgesetzt: Im Mittelpunkt des Feriendorfs steht ein Kleintierstall mit Schafen, Ziegen, Hühnern und Kaninchen. Feriengäste können beim Misten und Füttern aktiv mithelfen. Für Kinder ist auch der Heustock ein Paradies – am Tag zum Spielen und gelegentlich am Abend zum Schlafen. Darüber hinaus können die Gäste des Reka-Feriendorfs Urnäsch kostenlos Ausflüge auf umliegende Bauernhöfe buchen. So erhält die ganze Familie Einblick in die verschiedenen Tätigkeiten einer Bauernfamilie, kann bei der Stallarbeit mit dabei sein und gar selber einmal eine Kuh melken. Ein besonderes Erlebnis ist der Besuch eines ProSpecieRara-Bauernhofs mit seinen seltenen Nutztierrassen und Kulturpflanzen. Weitere Angebote sind Reiten, Wald-Exkursionen mit dem Förster oder saisonal Besuche auf einer Alp. Erlebnis und Spass sowie naturpädagogische Wissensvermittlung rücken hier nahe und erfolgreich zusammen.

Die Reka als Betreiberin des Feriendorfs Urnäsch hat die Zusammenarbeit mit den mitwirkenden «Appenzeller Erlebnisbauernhöfen» vertraglich geregelt. Dank einem jährlichen Fixum können die Bauern auf einen gesicherten Anteil ihres Einkommens zählen, unabhängig von der Anzahl Besucher auf ihrem Hof. Wird der Bauernbetrieb überdurchschnittlich oft besucht, wird dies zusätzlich abgegolten. Im Gegenzug sichern die Bauernbetriebe zu, sich Zeit für ihre Besucher zu nehmen.

Aus der thematischen Ausrichtung des Reka-Feriendorfs Urnäsch ergibt sich ein direkter Wertschöpfungseffekt für die Landwirtschaft. Darüber hinaus profitiert die allgemein strukturschwache Region Urnäsch jedoch noch stärker: Rund 150 Gäste sind jeweils gleichzeitig im Feriendorf zu Gast und dies kontinuierlich über den grössten Teil des Jahres, was einer jährlichen Zahl von mindestens 50'000 Logiernächten entspricht. Für die regionale Wirtschaft bringt dies eine zusätzliche direkte Wertschöpfung von jährlich rund 3 Mio. Franken. Hinzu kommen weitere indirekte und touristisch induzierte Umsätze. Bereits in der Bauphase hatte die regionale Wirtschaft vom neuen Feriendorf profitiert. Bewusst wurde ein Maximum an Bauaufträgen innerhalb der Region vergeben: 60 Prozent des Auftragsvolumens von knapp 20 Mio. Franken ging an Unternehmen des Appenzellerlands.

Die hohe Erwartungshaltung in Bezug auf den wirtschaftlichen Effekt und nachhaltigen Nutzen für die Standortregion hat die Entstehungsgeschichte des Reka-Feriendorfs Urnäsch entscheidend beeinflusst: Es waren Urnäscher Initianten, die im Jahr 2001 mit der Idee eines Reka-Feriendorfs an die Schweizer Reisekasse herangetreten waren. Und es sind lokale und regionale Geldgeber, die sich wesentlich an der Finanzierung der neuen Anlage beteiligt haben. Das Finanzierungsmodell für das Reka-Feriendorf Urnäsch unterscheidet sich denn auch von früheren Reka-Anlagen: Besitzerin ist nicht die Reka, sondern die Feriendorf Urnäsch AG, an deren Aktienkapital nebst der Reka auch rund 850 Kleinaktionäre beteiligt sind, darunter sehr viele aus der Region.

Für den Betrieb und die Vermarktung des Feriendorfs gilt ein 25-jähriger Mietvertrag mit der Reka – ein wichtiger Aspekt der Nachhaltigkeit des Projekts. Die lange feste Mietdauer garantiert der Region, dass aus den heute «warmen» Betten nicht innert weniger Jahre durch den Verkauf als Zweitwohnungen mehrheitlich ungenutzte «kalte» Betten mit kurzen saisonalen Spitzenbelastungen werden, wie dies beim Bau von Ferienanlagen oft beobachtet werden kann. Nur wenige Monate nach der Eröffnung können wird bereits eine überaus positive Bilanz ziehen: Die mit dem Reka-Feriendorf angestrebten Ziele werden erreicht. In diesem Sinne sind wir seitens der Reka offen für ähnliche Projekte mit ebenso synergieträchtigen Perspektiven.


 

Kommentare

Von  Michael Weber  am 06.08.2008

Solche Win-Win-Win-Modelle sind aus meiner Sicht sehr zukunftsträchtig, wenn es gelingt, von allen drei Seiten - Tourismus, Landwirtschaft & übriger regionaler Wirtschaft - initiative Akteure zu gewinnen, die tatsächlich Wertschöpfungsprojekte realisieren wollen!