«Tourismus – ganz natürlich! Von der Marktanalyse bis zum natur- und kulturnahen Tourismusangebot»

Die landschaftliche und kulturelle Vielfalt sind das Kapital des Tourismus - mittlerweile eine auch auf berggebiete.ch oft erwähnte Binsenwahrheit. Das Natur- und Kulturerlebnis ist gefragt, die Konsumgesellschaft ist bereit dafür auch Geld auszugeben. Ist es aber auch konsumier- und erlebbar? Geben wir dem Gast die Möglichkeit, dafür auch Geld auszugeben? Noch viel zu wenig!

Autor: Stefan Forster, Fachstelle für Tourismus und Nachhaltige Entwicklung, Center da Capricorns Wergenstein

Themenbereiche:  Tourismus

Datum: 28. 01. 2012
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Viele natürliche und kulturelle Attraktionen sind vorhanden, aber für den Gast nicht sichtbar. Es fehlt an konkreten Angeboten, die einfach zugänglich und buchbar sind. Der natur- und kulturnahe Tourismus ist von vielen Kleininitiativen geprägt, die von einzelnen Akteuren von der Idee, über die Broschüre und die Vermittlung durchgeführt werden. Es fehlen oft die klaren strategischen Positionierungen, die Kontakte, das fachliche Wissen und schlicht die «Köpfe» für die unternehmerische Umsetzung sowie die innovative Weiterentwicklung von Angeboten. Viele Gäste sind sensibilisiert für die Natur- und Kulturwerte ihres Ferienortes. Sie möchten diese Werte erleben und gute, authentische Informationen erhalten. Oft hat aber die einheimische Bevölkerung eine andere Wahrnehmung der natürlichen und kulturellen Inhalte ihrer alltäglichen Lebenswelt. Einerseits fehlt das Wissen darüber und andererseits werden die Werte eher als störend oder nutzlos, denn als wertvoll eingestuft. Dies ergibt einen Widerspruch, der für die Angebotsentwicklung hinderlich ist, denn für die bessere Wertschöpfung ist die Wertschätzung unabdingbar.

Der natur- und kulturnahe Tourismus ist auf authentische und wahre Informationen angewiesen. Diese Informationen müssen aus dem Spezialwissen über die Natur- und Kulturwerte zielgruppengerecht aufbereitet werden. Das Wissen haben zum Beispiel diverse Natur- und Kulturverbände, aber dieses Wissen ist oft nicht zugänglich, unverständlich und nicht für touristische Angebote aufbereitet. Die kleinen Strukturen mit zahlreichen Akteuren führen zu einer Vereinzelung und Zersplitterung der Angebote. Jeder einzelne Anbieter mit einer oft tollen Idee «erfindet» für sich eine neue Tourismuswelt. Auf Anbieterseite wird viel Energie und Geld in die Kommunikation und ins Marketing gesteckt, anstatt in die Qualität des Produktes. Die vielfältigen Angebote führen zu einer Unsichtbarkeit in der Fülle und schlussendlich auch zu einer geringen Wertschöpfung. Viele Natur- und Kulturangebote bauen auf einer attraktiven und kreativen Idee auf. Diese wird dann aber oft qualitativ mangelhaft umgesetzt. Die Erwartungen der Gäste können zum Beispiel wegen einer lückenhaften, nicht durchdachten und oft auch improvisierten Servicekette nicht erfüllt werden. Es fehlt auch der Erfahrungsaustausch zwischen den Akteuren, so dass ein gegenseitiges Lernen, eine gemeinsame Grundstrategie und die äusserst wichtigen Rückmeldungen vom Markt nicht gewährleistet sind. Die Akteure, die Angebote aufbauen und umsetzen, sind nicht optimal mit den potenziellen «Angebotsverkäufern», wie den regionalen Destinationen oder Schweiz Tourismus, vernetzt. Das Thema hatte bisher keine «Heimat». Das muss sich ändern!

In Wergenstein im Center da Capricorns am Schamserberg wurde im Rahmen der Bündner Tourismusreform die Kompetenzstelle natur- und kulturnaher Tourismus aufgebaut. Sie bearbeitet die oben beschriebenen Handlungsfelder mit verschiedenen koordinativen Massnahmen und stellt für die diversen Anbieter eine fachliche Unterstützung in der Angebotsentwicklung und für die Erlebnisinszenierung bereit. Es wurde eine koordinierte Angebotsproduktion für qualitativ hochwertige und nachgefragte Natur- und Kulturerlebnisse aufgebaut. Die Erkenntnisse aus den bisherigen Arbeiten im Center da Capricorns sind in einem umfassenden Handbuch zusammengefasst. Zusammen mit sanu (Bildung für nachhaltige Entwicklung, Biel) wurde das Handbuch, ein spezifisches Weiterbildungsprogramm und die Internetseite www.naturkultur-erlebnis.ch im Rahmen eines Innotour-Projektes entwickelt. Alle Akteure im Themenfeld des natur- und kulturnahen Tourismus finden nun umfassende Informationen für den Aufbau von Angeboten und schlussendlich auch für die Lancierung von neuen Perspektiven im Berggebiet.


 

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