Energieregion – es braucht viel Energie von der Idee bis zur Umsetzung

Während sich viele noch fragen, ob es möglich und sinnvoll ist, eine Region mit erneuerbaren und heimischen Energiequellen zu versorgen, haben einige Regionen in Europa dieses Ziel bereits erreicht. In der energieregionGOMS versucht man mit diesem Ziel neuen Schwung in die Region zu bringen. Es ist nicht nur eine Frage der Technologie, sondern in erster Linie eine Frage des Wollens und der Motivation.

Autor: Dionys Hallenbarter, Geschäftsstelle energieregionGOMS

Themenbereiche:  Energie

Datum: 27. 02. 2011
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In der Schweiz gibt es seit einigen Jahren Initiativen um die Entwicklung von sogenannten «Energieregionen» voranzutreiben. Beispiele sind neben der energieregionGOMS auch das Energietal Toggenburg, die Energieregion Emmental oder das Val de Ruz. Im europäischen Ausland zeigen gute Vorbilder wie Güssing in Österreich, Ostritz in der Lausitz oder Jühnde in Niedersachsen, wie sich eine nachhaltige Energieversorgung mit Impulsen für die regionale Wirtschaft verbinden lässt. Regionen, die sich mit eigenen erneuerbaren Energien versorgen sind keine Visionen grüner Träumer, sondern – technisch und ökonomisch – umsetzungsfähige Konzepte.

Dabei ist der Begriff „Energieregion“ bis heute nicht genau definiert. Es sind in der Regel geographisch abgegrenzte Räume, in denen durch einen aktiven regionalen Prozess die Energieproduktion mittels erneuerbarer Energieträger sowie die Realisierung von Energieeffizienzmassnahmen gefördert werden. In den meisten Energieregionen gibt es allerdings einen gemeinsamen Nenner: Unter einer regionalen Dachorganisation werden konkrete Energieprojekte realisiert. Ziele sind meist die regionalwirtschaftliche Stärkung, die Unabhängigkeit von fossilen Energieträgern sowie der Umweltschutz. Es ist deshalb wichtig, die lokalen Wertschöpfungspotenziale zu kennen und optimal zu nutzen. Grosse ungenutzte Potenziale liegen zum Beispiel im Bereich hofeigener Abfälle in der Landwirtschaft und das bei der Durchforstung anfallende Ast- und Kronenmaterial. Für die künftige Entwicklung und Ausschöpfung der Potenziale sind zudem je nach Standort und Region die Sonnen- und Windenergie, Erdwärme und natürlich die Wasserkraft von zentraler Bedeutung.

Der Nutzen von Energieregionen kann sehr vielschichtig sein. In der Regel entstehen solche Initiativen in strukturell benachteiligten ländlichen Regionen, wo sich seit einigen Jahrzehnten ein deutlicher Strukturwandel vollzieht. Dieser Wandel ist gekennzeichnet durch eine Verminderung des Angebots an Arbeitsplätzen, Infrastrukturanlagen und Dienstleistungen. Das wirtschaftliche Leben konzentriert sich immer mehr auf die urbanen und städtischen Räume. Zudem lässt sich oftmals ein Desinteresse an Gemeinschaftsaufgaben und an der Mitgestaltung des unmittelbaren Lebensumfeldes feststellen. Die Folge ist häufig ein „Rückzug ins Private“.

Diese Tendenzen sind auch in der Region Goms deutlich zu beobachten. Für die Initianten der energieregionGOMS gilt daher die lokale Nutzung von erneuerbaren Energien als ein wichtiger Baustein um das wirtschaftliche und gesellschaftliche Leben in der Region zu fördern. Seit bald vier Jahren wird an der Vision gearbeitet und es konnten bereits einige Projekte umgesetzt werden. Die Region bietet gute Voraussetzungen für die Nutzung von erneuerbaren Energien, denn sie liegt inmitten der Alpen, hat viel Sonne, Wind und ist umgeben von Bergseen und Gletschern und ist zudem seit Jahrhunderten geprägt von der Land- und Forstwirtschaft.

Die umgesetzten Projekte im Goms zeigen, dass die mit dem Energieverbrauch einhergehenden Finanzströme vermehrt in der Region wirksam werden. Regional können neben den neuen Energieproduzenten typischerweise die Baubranche, Handwerks- und Dienstleistungsbetriebe wie z.B. Forstbetriebe oder Planungsbüros profitieren. Weiter entstehen positive Wirkungen, welche für das Image und das Marketing der Tourismusregion von Bedeutung sind (z.B. durch das Projekt "alpmobil").

Fast ebenso wichtig wie die technischen Aspekte sind die sogenannten weichen Faktoren. Die Bevölkerung muss nicht nur umfassend informiert, sondern immer wieder zur Zusammenarbeit motiviert werden. Netzwerke müssen geschaffen, Wissen gebündelt und kommuniziert werden. Nur wenn Gemeinden, Unternehmen und ökonomisch und ideell orientierte Interessengruppen an einem Strang ziehen, können neue Arbeitsplätze geschaffen werden und die Bewohner am Aufbau einer umweltverträglichen Energieversorgung aktiv mitwirken. Die Bewältigung solcher Herausforderungen vergrößert das Selbstbewusstsein der Akteure und macht Mut für das Angehen weiterer Aufgaben.

Die grösste Herausforderung um eine Energieregion langfristig und erfolgreich aufzubauen, sind neben den technischen Aspekten und der aktiven Mitwirkung der lokalen Bevölkerung vor allem initiative Leute vor Ort, die etwas verändern wollen. Es braucht ein Team von Leuten mit Herzblut, Macher die in der Region gut verankert sind. Zudem ist der Aufbau einer Energieregion sehr zeitaufwändig. Es braucht Engagement, Geduld und Überzeugungskraft um die Veränderungsprozesse der zahlreichen Akteure zu erkennen, zu begleiten und zielgerichtet zu führen. Nur wenn alle diese Faktoren zusammenspielen, kann die Vision «Energieregion» über Jahrzehnte verfolgt und auch realisiert werden.


 

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