Möglichkeiten und Grenzen der Wirtschaftsförderung im Berggebiet
Die alpinen Regionen der Schweiz stehen vor grossen Herausforderungen - und dies nicht erst seitdem Avenir Suisse 2005 vorgeschlagen hat, den staatlichen Mitteleinsatz auf die städtischen Metropolitanregionen zu fokussieren. Die provokante These von Avenir Suisse hat eine breite Diskussion über den Strukturerhalt im Berggebiet ausgelöst. Davon ist auch die Ausrichtung der Wirtschaftsförderung betroffen. Soll und kann man Wirtschaftsförderung in Regionen betreiben, die bereits jetzt zum grossen Teil von Subventionen leben und deren Infrastruktur für einige wenige Bewohner aufrechterhalten werden muss?
Autorin: Joana Filippi, Wirtschaftsförderung Kanton Schwyz
Themenbereiche:
Berggebiet
Datum:
22. 12. 2007
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Das Ziel der Wirtschaftsförderung im Berggebiet kann nicht darin liegen, den unbestritten nötigen Strukturwandel aufzuhalten oder durch Struktur erhaltende Massnahmen zu verwässern. Wirtschaftsförderung in alpinen Räumen kann die bereits vorhandenen Potenziale stärken und fördern und sie kann den Strukturwandel mit Angeboten in den Bereichen Innovation und Diversifikation aktiv und sinnvoll begleiten. Während Neuansiedlungen in peripheren Gebieten sehr schwierig zu realisieren und aus umweltpolitischer Sicht auch nicht in jedem Fall wünschenswert sind, steckt in unseren Berggebieten durchaus ein wirtschaftliches Potenzial. Bei diesem Potenzial handelt es sich insbesondere um ein endogenes Leistungsvermögen, d.h. die bereits vorhandenen Unternehmen müssen die Möglichkeit haben, sich weiterzuentwickeln.
Nicht zuletzt die neuen Informations- und Kommunikationstechnologien helfen mit, die standortbedingten Nachteile von Randgebieten zu kompensieren. Zwar haben diese neuen Technologien nicht einfach eine Zunahme von Arbeitsplätzen in der Peripherie gebracht, aber mit einer innovativen und aktiven Nutzung dieser Möglichkeiten, rückt das Berggebiet näher an potenzielle Kundensegmente heran.
Im Vordergrund steht sicherlich das touristische Potenzial der Bergregionen. Denn die Schweiz ohne Alpen ist nicht denkbar. Verschneite Berglandschaften und saftige Wiesen mit weidenden Kühen sind aus der Werbung für den Tourismusstandort Schweiz nicht wegzudenken. Der Trend der letzten Jahre zu naturnahem und schonendem Tourismus ist eine grosse Chance für unsere peripheren alpinen Regionen.
Mit dem nahenden Ende der fossilen Energievorkommen bietet die Entwicklung alternativer Energien eine grosse Chance für die Berggebiete. Neben der Wasserkraft bringen gewisse Gebiete der Schweizer Alpen ideale klimatische Bedingungen für Windkraft mit. Aber auch die Entwicklung weiterer alternativer Energieträger ist im Alpenraum denkbar, denn die Nähe zu den Forschungsinstituten und vor allem die grundlegende Ressource Wasser sind gegeben.
Mit welchen nicht-monetären Instrumenten kann die Wirtschaftsförderung solche und weitere sinnvolle Projekte und Initiativen in peripheren Regionen unterstützen? Der Kanton Schwyz beispielsweise setzt in der Begleitung des Strukturwandels im alpinen Raum auf so genannte Gründer- und Beratungszentren und auf einen sehr aktiven Wissens- und Technologietransfer.
Das von der Wirtschaftsförderung initiierte regionale Gründer- und Beratungszentrum „Technologiezentrum Steinen“ (TZS) wurde im Herbst 2005 eröffnet. Ziel ist es - im Sinne eines gezielten Strukturwandels - Neuansiedlungen in technologisch orientierten Branchen im strukturschwächeren inneren Kantonsteil zu erleichtern und bestehenden Unternehmen aller Branchen in betriebswirtschaftlichen Problemstellungen und Fragen der wertschöpfungsorientierten Diversifikation und Innovation Unterstützung zu bieten. Von der kostenlosen Erstberatung und den weiteren Leistungen des TZS profitieren somit nicht nur neue Firmen sondern auch bereits bestehende Unternehmen in der Region.
Im Weiteren bildet der Wissens- und Technologietransfer ein Schwerpunkt der Schwyzer Wirtschaftsförderung. Das exzellente Netzwerk zu verschiedensten Transferinstitutionen wie beispielsweise dem Verein Innovationstransfer Zentralschweiz und zu verschiedenen Hochschulen der ganzen Schweiz schafft für Unternehmen einen unkomplizierten und schnellen Zugang zum gesuchten Wissen, damit Innovationen auch in Berggebieten wirtschaftlich umgesetzt und sich auf dem Markt erfolgreich durchsetzen können.
Links
Wirtschaftsförderung Kanton Schwyz
Technologiezentrum Linth
InnovationsTransfer Zentralschweiz ITZ
CSEM Centre Suisse d'Electronique et de Microtechnique SA
Hochschule für Technik Rapperswil
Hochschule Luzern
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Kommentare
Von Gian Linard Nicolay am 03.03.2008
Tourismus und Energie sind zweifelsohne ganz wichtige wirtschaftliche Standbeine in alpinen europäischen Berggebieten. Wir sollten jedoch nicht vergessen, dass etwa 10% der globalen Landmasse sich in Berggebieten befinden und diese zu den ärmsten und daher am wenigsten entwickelten Regionen der Welt zählen. Beratungsfirmen mit Sitz in (hochentwickelten?) Berggebieten und entsprechender Erfahrung bieten sich im Zeitalter der Wissensökonomie (ICT) interessante Möglichkeiten. Eine Entwicklung solcher Beratungsfirmen würde auch der Diversifizierung und kulturellen Belebung des Alpenraumes gut tun.