Erfolgsfaktoren für Innovationen im Tourismus
Innovationen sind unabdingbare Erfolgsfaktoren für das wirtschaftliche Überleben. Insbesondere in peripheren Gebieten braucht es bei touristischen Innovationen aber gemischtwirtschaftliche Ansätze, weil die Standortgebundenheit deren Realisierung behindert. Basis für Innovation sind Wissensnetzwerke, für die Realisation braucht es jedoch Unternehmer.
Autor: Prof. Thomas Bieger, Institut für Öffentliche Dienstleistungen und Tourismus Universität St. Gallen
Datum:
25. 06. 2010
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Innovationen sind in einem dynamischen Wettbewerb unabdingbare Erfolgsfaktoren für das wirtschaftliche Überleben. Konkurrenzprodukte und sich rasch wandelnde Kundenbedürfnisse führen entlang des bekannten Produktlebenszyklus auch bei sehr erfolgreichen Produkten zu einer Stagnations- und Niedergangsphase. Bestehende Märkte erodieren oder stossen an die Grenzen ihrer Aufnahmekapazitäten - oft alleine auch schon deshalb, weil Kundinnen und Kunden ihr knappes Budget auf immer mehr Konsumbereiche aufteilen müssen. So steht heute beispielsweise der Skisport, der als Outdoor Sport im Winter noch in den 70er Jahren faktisch eine Monopolstellung genossen hat, im Wettbewerb mit vielen anderen Freizeitaktivitäten innerhalb und ausserhalb des Hauses. Zudem werden immer neue Produktionsverfahren entwickelt. Wer eine weniger effiziente Abwicklung beispielsweise der Buchungen bietet, hat höhere Kosten und ist weniger attraktiv. Die fortlaufenden Innovationen in den Bereichen Produkte, Märkte und Prozesse führt zu dem, was bereits schon Schumpeter als Prozess der schöpferischen Zerstörung genannt hat. Alte Strukturen, Unternehmen oder auch touristische Destinationen gehen unter und es entstehen neue. Der Wettbewerbsdruck und die Aussicht auf temporäre Gewinne durch Innovationen - bis diese dann imitiert oder durch noch weitergehende Innovationen abgelöst werden - sind Treiber dieses Prozesses.
Aber nicht unter allen Bedingungen schafft der Markt alleine die notwendigen Voraussetzungen für Innovationen. Wie im Rahmen eines Projektes zur Evaluation des langjährigen Bundesprogrammes zur Förderung von Innovationen im Tourismus (Innotour) gezeigt wurde, braucht es bei touristischen Innovationen insbesondere in peripheren Gebieten gemischtwirtschaftliche Ansätze. Die Gründe dafür liegen in den besonderen Bedingungen touristischer Innovationen. Tourismusprodukte sind immer auf Destinationen ausgerichtet. Diese brauchen für ihre Funktionsfähigkeit Netzwerkinfrastrukturen wie Buchungssysteme oder auch Routensysteme, die den Charakter eines öffentlichen Gutes haben und in deren Weiterentwicklung niemand zu investieren bereit ist. Häufig sind Tourismusunternehmen auch zu klein, um Innovationen rentabel betreiben zu können. Eine Konsolidierung zu grösseren Unternehmen, die unter normalen Marktbedingungen, beispielsweise auch in Städten, stattfinden würde ist durch die Standortgebundenheit behindert. Beispielsweise werden durch die Zusammenlegung von zwei Hotels in weit auseinanderliegenden Orten kaum Synergien generiert. Zudem sind Tourismusprodukte Netzwerkprodukte, bei denen ein Unternehmen nur einen Teilbereich abdeckt. Innoviert ein Unternehmen, so übertragen sich die positiven Effekte wie eine grössere Attraktivität auf alle anderen Netzwerkpartner. Je mehr Innovationsrendite dem innovierenden Unternehmen anfallen, desto intensiver wird es Innovationen betreiben.
Innovationen, dies zeigt die Innovationsforschung seit langem, brauchen als Basis Wissensnetzwerke, ähnlich wie bei Clusters. Für ihre Realisation braucht es jedoch Unternehmer, individuell handelnde Akteure. Die Herausforderung von Innovationen in peripheren Gebieten besteht deshalb darin, einerseits diese Wissensnetzwerke zu schaffen und zu erhalten sowie eine gemischtwirtschaftliche Finanzierung von Innovationen durch geeignete Förderinstrumente sicherzustellen. Andererseits dürfen die Freiheiten und die Anreize für die privatwirtschaftlich agierenden Unternehmer nicht zerstört werden. Innovationsförderung muss deshalb flexibel, unbürokratisch aufgebaut werden. Hier ist Innotour ein pragmatischer Ansatz, der den Bedingungen der kleinstrukturierten Tourismusbranche insbesondere im Berggebiet Rechnung trägt.
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Innotour: Instrument zur Verbesserung von Struktur und Qualität des Schweizer Tourismus-Angebots


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