Akzeptanz der Bevölkerung vor Ort
Eine wesentliche Komponente für eine erfolgreiche Umsetzung von Regionalen Naturpark-Projekten ist der Einbezug der lokalen und regionalen Bevölkerung. Die Partizipation der Betroffenen beim Aufbau solcher Projekte hängt in starkem Masse davon ab, welche Einflussmöglichkeiten für die lokalen Akteurinnen und Akteure bestehen. Bezüglich Partizipation der verschiedenen Akteurgruppen können zwei grundsätzliche Positionen unterschieden werden (nach Müller und Kollmair 2004):
- Partizipation als Mittel zur Steigerung der Akzeptanz von vordefinierten Projekten. Parkprojekte, insbesondere Projekte zur Errichtung neuer Nationalpärke, fallen in der Regel in diese Kategorie. Im Rahmen des partizipativen Verfahrens ist es beispielsweise nicht möglich, die Anforderungen an Pärke oder die Schutzziele neu zu definieren. Partizipation in diesem Sinne wird als instrumentelle Partizipation bezeichnet.
- Partizipation als dynamischer Prozess, bei dem alle potenziell betroffenen Akteurgruppen einbezogen werden und in dem sich ein Vorhaben erst konkretisiert. Ein Naturparkprojekt kann das Ergebnis eines solchen Prozesses sein, wenn die Ausgangsfragestellung beispielsweise darin bestand, Möglichkeiten zur Entwicklung der Region auszuloten und zu evaluieren. In diesem Fall reden wir von normativer Partizipation.
Verschiedene Untersuchungen haben gezeigt, dass die Akzeptanz eines Parkprojektes auch bei wirtschaftlichem Gewinn den entscheidenden Faktor für die Umsetzung eines Parks darstellt. Der geplante neue Nationalpark Parc Adula verspricht zwar für die betroffenen Gemeinden teilweise beträchtliche wirtschaftliche Gewinne. Bezüglich der politischen Akzeptanz stehen aber die Gemeinden dem Nationalpark eher skeptisch gegenüber. Dies ist auch in Gemeinden der Fall, welche vom Parc Adula wirtschaftlich relativ stark profitieren könnten. Solche politischen Konstellationen sind zu erwarten, wenn die Nutzniesser einer Massnahme eigentlich die Mehrheit haben, aber nur schwach profitieren, während eine Minderheit der Stimmberechtigten stark negativ betroffen ist (Buchli et al. 2006).
Bei dieser Minderheit handelt es sich im Zusammenhang mit Parkprojekten in der Regel um Akteure wie Jäger, Fischer und Strahler. In einem ähnlichen Zusammenhang zeigen Müller und Kollmair (2004), dass das Scheitern der geplanten Erweiterung des Schweizerischen Nationalparks in der Form des Partizipationsprozesses lag. Normative Partizipation kann kein Mittel zur Akzeptanzsteigerung von Naturschutzvorhaben sein, da sich bei der normativen Partizipation die Projektziele und die Projektausgestaltung erst im Verlauf des Partizipationsprozesses erschliessen. Die Umsetzung eines Naturschutzvorhabens fällt daher in den Bereich der instrumentellen Partizipation und sollte auch als solche deklariert werden. Das heisst insbesondere, dass die als Mittel der effizienten Planverwirklichung gedachte instrumentelle Partizipation nicht als normative Partizipation kommuniziert werden darf.
Im Fall der Regionalen Naturpärke besteht mehr Handlungsspielraum, da die Naturpärke keine total geschützte Kernzone wie die Nationalpärke aufweisen und die lokale Bevölkerung somit kaum mit neuen Nutzungseinschränkungen konfrontiert wird. Demgegenüber bildet die Aushandlung neuer regionaler Identitäten ein wichtiger Bestandteil eines Naturparkprojekts, handelt es sich im Kern doch um ein Projekt, in dem Natur- und Landschaftswerte wirtschaftlich in Wert gesetzt werden sollen. Für die Transparenz des Planungsprozesses muss somit berücksichtigt werden, dass der Prozess sowohl vordefinierte Ziele umsetzen als auch neue Ziele erarbeiten will. Es gilt daher, Kommunikation als einen Schwerpunkt bei der Planung und Umsetzung von Regionalen Naturpärken zu berücksichtigen. Dies gilt insbesondere im Hinblick auf die Akteurgruppen Landwirtschaft, Tourismus, Gewerbe und Kultur (Siegrist, Lintzmeyer2006).
Links
Pärke von nationaler Bedeutung: Produktelabel. Richtlinie zur Verleihung und Verwendung des Produktelabels
Dokumentation der Tagung " Tagung „Erlebniswelt Naturpark – Werte und regionalökonomische Effekte"
Pärke
Nationale Naturlandschaften in Deutschland
Übersicht Pärke und Parkprojekte
Netzwerk Schweizer Pärke
Informationsplattform Naturerlebnis-Angebot Deutscher Tourismusverband
Dokumente
Machbarkeitsstudie Parc Adula
Leitfaden Natur Erlebnis Angebot: Entwicklung und Vermarktung
Markt- und Betriebsstudie Parc Ela
Studie Naturnaher Tourismus in der Schweiz. Angebot, Nachfrage und Erfolgsfaktoren
Botschaft zur Teilrevision des Bundesgesetzes über den Natur- und Heimatschutz (NHG)
Machbarkeitsstudie Regionaler Naturpark Toggenburg-Werdenberg
Studie Ökonomische Analyse von Regionalen Naturpark-Projekten im Kanton Bern
Regionaler Naturpark Uri
Regionaler Naturpark Ela - Infoblatt ARE Graubünden

Übersicht Naturpärke
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