Ansprüche der lokalen Bevölkerung
Die Bevölkerung in wirtschaftlich und strukturell schwächeren Gebieten sieht sich mit einer Abwärtsspirale konfrontiert, in der sich eine negative Beschäftigungs- und Wertschöpfungsentwicklung sowie eine ungünstige Entwicklung der Altersstruktur und Abwanderung gegenseitig verstärken. Bisher tragende wirtschaftliche Entwicklungspfeiler wie Landwirtschaft, Industrie, Gewerbe, Bauwirtschaft und Tourismus sowie der Service Public brechen weg und können nicht durch Wertschöpfung in gleichen oder anderen Bereichen kompensiert werden.
Diese Abwärtsspirale kann anhand der nachfolgenden Abbildung verdeutlicht werden, welche die grundlegende Funktionsweise einer Regionalwirtschaft zeigt (vgl. auch Buchli et al. 2006): Unternehmungen produzieren Güter und Dienstleistungen, die in der Region konsumiert werden oder als Exporte die Region verlassen. Als Entgelt für die Exporte fliesst Geld in die Region zurück. Zur Produktion der Güter und Dienstleistungen setzen die Unternehmungen Vorleistungen ein. Wenn sie diese in der Region beziehen, entstehen Handelsbeziehungen zwischen den einheimischen Unternehmungen. Anderenfalls werden die Vorleistungen importiert, was zu einem Abfluss von Geld aus der Region führt.

Die Wirtschaft einer Region stellt einen Kreislauf dar, in dem Nachfrageänderungen in einer Branche nicht nur die Branche selber beeinflussen. Vielmehr verändert die jeweilige Branche die Produktion und fragt dadurch andere Mengen an Vorleistungen nach. Dadurch werden andere Branchen ebenfalls mit einer Nachfrageänderung konfrontiert. Sie passen die eigene Nachfrage ihrerseits wieder an; es entstehen neben den direkten Effekten zusätzliche indirekte Effekte. Neben der Vorleistungsnachfrage passen die betroffenen Unternehmungen auch den Bedarf an Arbeitskräften an. So verändert sich auch die Lohnsumme, welche über die Konsumausgaben zumindest teilweise wieder in den regionalen Kreislauf fliesst und erneut Wertschöpfung generiert. In diesem Fall sprechen wir von induzierten Effekten.
Die regionalwirtschaftliche Bedeutung eines Naturparks hängt von der Branchenstruktur und Grösse der Region sowie von der Input- und Nachfragestruktur der Unternehmen ab, die im Rahmen des Naturparks Güter und Dienstleistungen produzieren. Die Branchenstruktur der Region bezeichnet, aus welchen Unternehmen sich die Wirtschaft zusammensetzt. Die Nachfragestruktur widerspiegelt, an wen die Unternehmen ihre Produkte und Dienstleistungen verkaufen (in der Region oder als Exporte). Die Inputstruktur gibt Auskunft darüber, von wem die Unternehmen ihre Vorleistungen kaufen (in der Region oder als Importe).
Aus Sicht der Bevölkerung vor Ort trägt ein erfolgreicher Regionaler Naturpark dazu bei, dass es im Wirtschaftskreislauf zu Nachfragesteigerungen kommt und in der Folge sowohl die Wertschöpfung als auch die Beschäftigung erhalten oder gesteigert werden können. Dies kann auf mehrere Arten geschehen:
- Steigerung des Absatzes von lokalen Produkten:
- Labelzertifizierung von Milch- und Fleischprodukten, Backwaren, Holzprodukten und diversen weiteren Produkten. Das Naturpark-Produktelabel stösst zurzeit aber auf grössere Schwierigkeiten; der Grund liegt in der notwendigen Harmonisierung mit zahlreichen bestehenden Produktelabeln sehr unterschiedlicher Niveaus und Ausprägung.
- Lokale Verarbeitung und Vermarktung.
- Bündelung des Angebotes an landwirtschaftlichen Produkten und Belieferung lokaler Gastronomiebetriebe.
- Stärkung der touristischen Aktivitäten:
- Breites Angebot im Bereich naturnaher Tourismus (Schwerpunkt Sommer).
- Natur- und Kulturerlebnisse als Bildungsangebot, z.B. Schule auf dem Bauernhof, Exkursionen, Themen- und Erlebniswege.
Diesen Beispielen ist gemeinsam, dass sie die Exporte einer Region ausdehnen. Durch Exporte fliesst Geld in die Regionalwirtschaft und kann dort weitere Effekte auslösen. Wirtschaftswachstum hängt daher in zentraler Weise von den Exporten einer Region ab. Das Beispiel der Bündelung des Angebotes an landwirtschaftlichen Produkten und der anschliessenden Belieferung lokaler Gastronomiebetriebe besteht darin, dass die Importe in eine Region vermindert und die Verknüpfungen innerhalb der regionalen Wirtschaft gestärkt werden. Wenn Importe durch regionale Vorleistungsbezüge ersetzt werden können, fliesst weniger Geld aus der Regionalwirtschaft ab. Dies hat den gleichen Wachstumseffekt wie eine Erhöhung der Exporte.
Neben den ökonomischen Ansprüchen bestehen seitens der regionalen Bevölkerung auch immaterielle Bedürfnisse. Zu nennen ist z.B. die Nachfrage nach intakten Erholungsmöglichkeiten (z.B. Chasseral) oder nach attraktiven Kulturangeboten (z.B. Klangwelt Toggenburg). Von einem Ausbau des Dienstleistungsangebotes und vom Schutz der Natur- und Kulturlandschaft im Rahmen eines Regionalen Naturparkes profitieren damit auch die Einwohner der Gemeinden im Einzugsgebiet der Pärke.
Links
Pärke von nationaler Bedeutung: Produktelabel. Richtlinie zur Verleihung und Verwendung des Produktelabels
Dokumentation der Tagung " Tagung „Erlebniswelt Naturpark – Werte und regionalökonomische Effekte"
Pärke
Nationale Naturlandschaften in Deutschland
Übersicht Pärke und Parkprojekte
Netzwerk Schweizer Pärke
Informationsplattform Naturerlebnis-Angebot Deutscher Tourismusverband
Dokumente
Machbarkeitsstudie Parc Adula
Leitfaden Natur Erlebnis Angebot: Entwicklung und Vermarktung
Markt- und Betriebsstudie Parc Ela
Studie Naturnaher Tourismus in der Schweiz. Angebot, Nachfrage und Erfolgsfaktoren
Botschaft zur Teilrevision des Bundesgesetzes über den Natur- und Heimatschutz (NHG)
Machbarkeitsstudie Regionaler Naturpark Toggenburg-Werdenberg
Studie Ökonomische Analyse von Regionalen Naturpark-Projekten im Kanton Bern
Regionaler Naturpark Uri
Regionaler Naturpark Ela - Infoblatt ARE Graubünden

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