Agrotourismus: Vision oder Illusion?
In der Schweiz ist der Agrotourismus heute vergleichsweise unbedeutend. Bezogen auf alle touristischen Übernachtungen liegt der Marktanteil gesamtschweizerisch unter einem halben Prozent. Zudem stagniert die Zahl der beteiligten Betriebe in den letzten Jahren. Dennoch wird Agrotourismus immer wieder als Strategie für die Entwicklung ländlicher Regionen diskutiert.
Ausgehend von der Bedeutung des Agrotourismus in den umliegenden Ländern müsste es auch in der Schweiz möglich sein, den Marktanteil des Agrotourismus zu steigern. Speziell auch deshalb, weil für den deutschsprachigen Markt nach wie vor von einem Marktpotenzial für Urlaub auf dem Bauernhof ausgegangen wird. In diesem Sinne ist Agrotourismus eine Vision für die Entwicklung des ländlichen Raumes.
Eine Ausweitung des Marktanteils würde jedoch einerseits eine Verbesserung der Auslastung der heutigen Anbieter oder eine Steigerung der Zahl der Übernachtungen auf diesen Betrieben und andererseits den Einstieg weiterer Interessierter bedingen. Neben diesen angebotsseitigen Faktoren zeigen die in Diskussionen immer wieder zitierten Vorzeigebeispiele Österreich, Bayern oder Südtirol, dass eine erfolgreiche Erschliessung des ländlichen Tourismusmarktes hohe strukturelle und organisatorische Anforderungen stellt. Der Aufbau und die Positionierung eines Produktes oder einer angebotsübergreifenden Marke "Schweizer Agrotourismus" und die Schaffung der notwendigen Vermarktungsstrukturen sind anspruchsvoll und (finanziell) aufwändig, was eine Bündelung der Aktivitäten und der finanziellen Ressourcen notwendig macht. Nach den Erfahrungen in Österreich, wo die vormals regionalen Strukturen in den letzten Jahren stark gebündelt wurden und die Aktivitäten neu landesweit koordiniert werden, dürfte es in Schweiz eine nationale oder zumindest berggebietweit tätige Organisation brauchen, welche für die Vermarktung und die Qualitätssicherung verantwortlich ist.
Grundsätzlich ist zu fragen, inwieweit die Landwirtschaftsbetriebe überhaupt bereit resp. willens sind, einen Betriebszweig "Agrotourismus" aufzubauen, ohne dabei den für die Vermarktung des Agrotourismus wichtigen "Farmcharakter" zu verlieren. Neben der Bereitschaft könnten Faktoren wie die fehlende Erfahrung und Tradition in der Beherbergung von Gästen weitere Hürde darstellen. Die Entwicklung wird aber insbesondere auch von den Rahmenbedingungen und dabei speziell von der kantonalen Anwendung des Raumplanungsrechtes abhängen. Mit dem Vergleichsmassstab Bayern und Österreich, wo die Betriebe im Agrotourismus im Mittel über ca. 12 Betten verfügen, müsste im ländlichen Raum resp. an den heutigen Betriebsstandorten stark in Infrastruktur investiert werden. Vor diesem Hintergrund und der unklaren Bereitschaft der Betriebe, in der Beherbergung von Gästen aktiv zu werden, ist zu fragen, ob eine Strategie Agrotourismus nicht eher eine Illusion als eine Vision ist.
Links
Plattform Agrotourismus Schweiz
Urlaub auf dem Bauernhof im Südtirol
Ferien auf dem Bauernhof
Urlaub am Bauernhof in Österreich
schlaf im Stroh!
Urlaub auf dem Bauernhof in Bayern
tourisme-rural.ch
Dossier Agrotourismus Schweizer Bauer
Dokumente
Leitfaden Agrotourismus in Graubünden
Agrotourismus in der Schweiz (Diplomarbeit SHL)
Alp- und agrotouristische Wertschöpfungspotenziale
Agrotourimus in der Schweiz (Studie der SAB)
Studie "Marktanalyse Urlaub auf dem Bauernhof"
Artikel Zeitschrift Montagna "Nebenverdienst Agrotourismus"
Erfolgsfaktoren Urlaub auf dem Bauernhof
Studie "Urlaub am Bauernhof aus der Sicht von Gästen und Anbietern" in Österreich
Preiswert mit "Bed and Breakfast" (UFA Revue)
Artikel "Landwirtschaft und Tourismus in Österreich"
Bergbauern und Tourismus (SANU Diplomarbeit)
Agrotourismus unter der Lupe (UFA Revue)
Agrotourismus in den Voralpen (UFA Revue)
Grundlagenbericht Agrotourismus im Wallis
Artikel und Interview im Bündner Bauer mit Ernst Flütsch zum Thema Landwirtschaft und Tourismus
Tagungsbericht "Fremde auf dem Bauernhof" (Auszug)
Studie "Urlaub am Bauernhof / Urlaub auf dem Lande" in Deutschland
Leitfaden "Alp- und agrotouristische Wertschöpfungspotenziale. Wettbewerbsfaktoren, Erfolgsfaktoren und Herausforderungen"
Artikel und Interview im Bündner Bauer mit Regierungsrat Trachsel zum Thema Landwirtschaft und Öffentlichkeit

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